Von PR-Maschinerie instrumentalisiert

Greta Thunberg, das 15-jährige Schwedenmädchen, reiste anfangs Jahr ins Landwassertal, um den Mächtigen dieser Welt die Leviten zu lesen. Greta hat in Davos nicht um Hilfe gebeten, sondern den Tarif durchgegeben.

Kommentar vom 1. März 2019

von Prof. Dr. Hans Geiger, Weiningen ZH

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Das Landwassertal ist schön und fast unbekannt. Davos, die Stadt am oberen Ende des Tals, ist nicht schön, aber sehr bekannt. Dort versammeln sich jeweils im Januar die Wichtigen und Mächtigen dieser Welt, um am Weltwirtschaftsforum „die Welt auf objektive, messbare und nachhaltige Weise zu verbessern“. Das herausragende Ereignis dieses Jahres war der Auftritt der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg, die im Zug aus Schweden angereist war. Die Inszenierung bildet einen neuen Höhepunkt im heroischen Kampf der Guten zur Abwendung der Klimakatastrophe auf der Erde. Das Mädchen verlas Texte, die offensichtlich nicht dem Hirn der Fünfzehnjährigen entsprungen sind. Greta wurde mit ihren persönlichen Ängsten von einer wohl organisierten PR-Maschinerie instrumentalisiert und schamlos ausgenützt.

Wirkungslos war Gretas Auftritt in Davos nicht. Weitherum schwänzten andere Schüler wegen des Klimawandels die Schule, und das Basler Kantonsparlament rief in einer Resolution wegen des Klimas den Notstand aus. Zwar kennt die Schweizer Verfassung den Notstand nicht, aber ausrufen kann man ja trotzdem. 

 

Ökonomie und Klimatologie

Darf ein Ökonom etwas zum Klima sagen? Ja, aber er muss die Erkenntnisse der Klimawissenschaft anerkennen: Es ist unbestritten, dass eine Erhöhung des menschengemachten CO2-Ausstosses die Temperatur auf dem Planeten Erde erhöht, falls alle anderen Klimafaktoren unverändert bleiben. Was den Ökonomen an der Klimadiskussion irritiert, sind zwei methodische Aspekte: Von allen anderen Einflussfaktoren auf das Weltklima ist kaum je die Rede: Sonnenaktivitäten, Meeresströmungen, vulkanische Aktivitäten, die geografische Lage, etc. Für eine ernsthafte Prognose müssten natürlich alle wichtigen Faktoren berücksichtigt werden.

Wichtiger scheint mir der Einwand, dass die angenommene Erhöhung der Erdwärme in den verschiedenen Regionen der Welt sowohl negative wie auch positive Auswirkungen haben dürfte. Nie ist in der Klimadiskussion die Rede vom Nutzen einer allfälligen Erwärmung, immer nur vom Schaden. Das ist im besten Fall einäugig, und offensichtlich hat es System. Warum ist die durchschnittliche Welttemperatur von 1990 gerade richtig?

 

Fussabdruck und Anzahl Füsse

Für die weitere Diskussion wollen wir der Einfachheit halber beim simplen Modell „menschgemachter CO2-Ausstoss ist schädlich für den Planten Erde und die Menschheit“ bleiben. Die CO2- oder generell die Umweltbelastung durch Menschen wird als Fussabdruck bezeichnet. Der ökologische Grundsatz heisst: Je kleiner der Fussabdruck, desto besser für die Umwelt. Das ist die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte der Wahrheit lautet: Je weniger Füsse, desto besser für die Umwelt. Und bei der Anzahl Füsse, zwei pro Mensch, hat sich in der jüngeren Geschichte der Menschheit Gewaltiges getan: Bis zum Jahr 1800 wurde die Welt von weniger als 1 Milliarde Menschen bewohnt, heute sind es über 7,5 Milliarden. Wäre der Energieverbrauch pro Mensch seit 1800 gleich geblieben, dann wären heute die Umweltbelastung und der CO2-Ausstoss 7,5 Mal grösser. Der durchschnittliche Energieverbrauch pro Kopf der Weltbevölkerung hat sich seit Beginn der industriellen Revolution jedoch um den Faktor 3 bis 4 erhöht, obschon der Energieverbrauch der armen Mehrheit der Weltbevölkerung immer noch auf dem vorindustriellen Niveau liegt.

 

Wohlstand und Energieverbrauch

Was von den Klimaaktivisten und „2‘000 Watt Menschen“ verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass während Jahrhunderten der Wohlstand der Menschen proportional mit ihrem Energieverbrauch zunahm. In unserer hochentwickelten Informationsgesellschaft ist dieser Zusammenhang heute nicht mehr gegeben. Unser Wohlstand verändert sich proportional zum Stromverbrauch. Die überwiegende Mehrzahl aller Menschen lebt noch weit weg von der Informationsgesellschaft. Heute ist der durchschnittliche Energieverbrauch eines Amerikaners 30 Mal höher als derjenige eines Inders, 100 Mal grösser als der eines Einwohners von Bangladesh. Wenn die Klimaaktivisten anstreben, den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss der Menschheit zu reduzieren, dann wollen sie die Weltbevölkerung de facto arm halten oder arm machen.

 

Davos 202

Für eine menschenwürdige Politik gibt es eine vordingliche Aufgabe: Das Bevölkerungswachstum rasch und nachhaltig reduzieren. Die Zahl der von der UNO für 2050 prognostizierten 9,77 Milliarden Menschen ist erschreckend. Wenn die Anzahl Füsse weiterhin so zunimmt wie in den letzten 50 Jahren, gibt es keine menschenwürdige Lösung im heroischen Kampf gegen die Klimakatastrophe.

Greta Thunberg sollte in einem Jahr noch einmal nach Davos reisen und den Wichtigen und Mächtigen dieser Welt erklären, dass sie sich im Dienste der Menschen und der Umwelt dringend dem Bevölkerungswachstum annehmen müssten. Wenn die Politik „die Welt auf objektive, messbare und nachhaltige Weise verbessern“ will, ist dies ihre erste Pflicht. Die Schüler müssen deswegen nicht mehr die Schule schwänzen. Und das Basler Kantonsparlament kann in einer Resolution zur weltweiten Förderung der Ausbildung der Frauen und der Geburtenkontrolle aufrufen.

 

Hans Geiger

 

Bildquelle: World Economic Forum 

01.03.2019 | 2354 Aufrufe