Entgegen der Usanz, dass nicht mehr tätige aktive Alt-Politiker sich in den Medien zurückhalten sollten, greift Adolf Ogi die SVP frontal an und wirft ihr eine Wahlschlappe vor. Er verlangt Reformen in seinem Sinn, mit denen er selber nie erfolgreich war in der Partei. 

Es ist ja auch nicht ein Ruhmesblatt, wenn sein Busenfreund Kofi Annan für ihn bei er Uno extra einen Job erfinden musste, der inzwischen wieder sang- und klanglos abgeschafft wurde. Immerhin war Ogi ein volkstümlicher Politiker, auch wenn ihm sein Schulabschluss immer wieder zum Vorwurf gemacht wurde. Berechtigt oder nicht. Wenn er nun die SVP zum Wahlverlierer stempeln will, dann muss man an seiner mathematischen Begabung zweifeln.

Interessant ist ja vor allem, wie viel Wähleranteile die etablierten Parteien an die die beiden neuen – Grünliberale und BDP – verloren haben. Da sieht die Sache etwas anders aus: Die CVP hat 20 Prozent ihrer Wählerschaft verloren, die FDP beklagt eine Abwanderung von 15 Prozent ihrer Wähler, die Grünen kommen auf ein Minus von 12 Prozent, die SVP büsst 8 Prozent ein und die SP hat ein Minus von 4 Prozent hinzunehmen.

Die Zahlen der SVP sind umso erstaunlicher, weil dieses stolze Resultat trotz der Abspaltung erreicht wurde. Würde man diese Absplitterung der BDP hinzurechnen, ergäbe sich ein Zuwachs von Wählern von etwa 10 Prozent. Die etablierten Parteien haben im Durchschnitt 12 Prozent ihrer Wähler verloren. Die SVP hat trotz Parteispaltung am zweitwenigsten verloren. Und da spricht man von einer «Wahlschlappe». Wie muss man denn Verluste von 20,15 und 12 Prozent bezeichnen?

Von einem Primarschüler, der erst bis hundert zählen kann, könnte man erwarten, dass er sich die Sache massiv vereinfacht und sich nur an den gewonnenen und verlorenen Mandaten orientiert. Von einem alt Bundesrat erwarte ich aber ein bisschen mehr Substanz. 

Robert Erni,
Rotkreuz ZG

 

27.10.2011 | 1218 Aufrufe