Dem, was Patrick Freudiger in seiner Kolumne schreibt («Schweizerzeit, Ausgabe 7/2012), ist voll zuzustimmen. Joachim Gauck ist ein Bürgerrechtler, der diesen Namen auch verdient. Es brauchte schon ausserordentlichen Mut, um zu Zeiten der noch existierenden, dereinst mächtigen «Deutschen Demokratischen Republik» (DDR) zum Fall der Mauer und somit zum Ende des total abgehalfterten, wirtschaftlich maroden roten Terrorstaates in einer hervorragenden Rolle beizutragen.

So sehr er als Verwalter zur Archivierung des annähernd 200 Kilometer langen Aktenbergs dieser scheusslichen Staatssicherheit beigetragen hat, so sehr erhebt sich die wesentliche Frage, was ist daraus geworden? Schliesslich handelte es sich um eine Behörde, die 100‘000 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigte, ganz zu schweigen von den sog. «freiwilligen Mitarbeitern». Nicht einmal der KGB der Sowjetunion verfügte über  annähernd so viele Auskundschafter wie dieser rote Unrechtsstaat, der die Einwohner überall bespitzelte. Die allmächtige Staatssicherheit griff zu jedem noch so verbrecherischen Mittel, einschliesslich Mord, auch Hunderte von Todesopfern an Mauer und Stacheldraht, wenn es darum ging, den «Klassenfeind» unschädlich zu machen oder den Sozialismus zu sichern, in Tat und Wahrheit aber die Privilegien der herrschenden Nomenklatura zu erhalten.

Es ist traurig aber wahr, lediglich 24 Personen sind juristisch zur Verantwortung gezogen worden und in aufwändigen Justizverfahren zu letztlich meist bedingten Freiheitsstrafen verurteilt worden. Je höher die Stellung dieser Schurken war, fette Renten heute ausfallen oder sie sich in wichtigen Dienststellen in den neuen Bundesländern nach oben durchgeschlagen haben, desto karger die Entschädigung für zehntausende Opfer, die teilweise noch heute unter den schrecklichen Folgen der roten Gewaltherrschaft leiden. Sie sind meistens leer ausgegangen, als «Rechtsradikale» abgestempelt oder bestenfalls mit Almosen abgespeist worden!

Es ist leider eine Tatsache, dass Gauck nur der Verwalter der schweren ungesühnten Verbrechen war. Belohnt wurden und werden also jene, welche der roten Diktatur dienten. Die Verlierer sind jene, die teilweise jahrelang in Bautzen, Waldheim, Hohenschönhausen oder anderen «Stasi Höllen» schmachteten, nur weil sie eine freie Gesellschaft anstrebten.

Werner Wassmer,
Aarau AG

10.05.2012 | 1137 Aufrufe