Offenbar hat sich ein Regierungsratskandidat in unserem Nachbarkanton von seiner Parteikollegin distanziert, weil sie im Wahlkampf die klare Haltung der SVP in der Bildungspolitik – unter anderem gegen den Lehrplan 21 – vertreten hat. Er soll behauptet haben, Lehrpläne wie vor 30 Jahren würden nichts mehr taugen.

Man muss annehmen, dass SVP-Politiker gewählt werden, weil der Wähler annimmt, dass sie die Bildungspolitik der Partei vertreten. Wenn sie nun im Wahlkampf oder in der Regierung plötzlich umschwenken, ist das nicht nur ein Affront gegenüber den Wählern, sondern auch jedes Mal ein Rufschaden für die Partei, der von den Medien und anderen Parteien genüsslich ausgeweitet wird.

Bis vor 30 Jahren galt das Schweizer Bildungswesen als Vorbild für sehr viele Länder weltweit, was die OECD in ihrem ersten Länderbericht von 1990 mit grossem Lob bestätigte. Seither sinkt das Niveau unseres reformgeplagten Bildungswesens ständig. Der heutige Schüler lernt allerdings noch genau gleich wie vor 100 Jahren. Am verpönten und anstrengenden Üben kommt keiner vorbei, der im Leben weiterkommen will. Das beste Ergebnis erzielt er gemäss der internationalen Hattie-Studie, wenn er einen fordernden Lehrer hat, der ihm im Klassenunterricht viel beibringt, erklärt, motiviert und erzieht. Schon vor 100 Jahren war der qualifizierte Lehrer, der grösste Wirkungsfaktor für den Lernerfolg.

Ganz anders der schweizweit umstrittene Lehrplan 21. Er will Unterricht und Lehrer abschaffen und unser Schulsystem am Volk vorbei mit dem «selbstgesteuerten Lernen» auf den Kopf stellen, einer mehrfach gescheiterten Reformideologie aus dem letzten Jahrhundert.

Peter Aebersold, Zürich

22.09.2016 | 1776 Aufrufe