Zur Verhätschelung des Messerstechers Carlos

"Spalte rechts"
Kommentar des Chefredaktors

Wer die Nachrichtenflut zum «Fall Carlos» – auch als «tickende Zeitbombe» eingeschätzt – verfolgt, wähnt sich je länger desto mehr im Tollhaus:

Nicht nur, dass ein brutaler Messerstecher bei einem anderen vorbestraften Gewalttäter auf Staatskosten Perfektionierungs-Therapie in Schlagtechnik erhält. Zusätzlich wird dem feigen Täter, der einen anderen Jugendlichen mittels Attacke von hinten fast getötet hat, eine 24-Stunden-Betreuerin zugeteilt. Und diese beklagt sich lauthals, ihrem ausnehmend teuren «Klienten» sei leider immer nur das Allerbeste – teuerste Parfums, Markenklamotten – gut genug. Wozu ist denn diese 24-Stunden-Betreuerin angestellt? Bloss als staatlich besoldete Jammertante? Wieso sagt sie nicht Nein zum masslosen Verschwender? Hat sie vor ihm Angst? Oder ist sie ihm hörig?

Doch klar: Von Angst darf nichts verlauten. Schliesslich behauptet der zuständige grüne Regierungsrat, die sündenteure Luxus-Therapie habe wenigstens gewisse Mässigung des Täters bewirkt. Würde pure Angst vor dem Gewalttäter die Betreuerin vom Nein zu dessen exorbitanten Ansprüchen abhalten, fiele diese ganze «Erfolgs-Beteuerung» ins Wasser.

Noch bizarrer ist die regierungsrätliche Erklärung, man habe mit Carlos alles versucht, aber dieser hätte nichts akzeptiert. Auch wenn sie ihm persönlich als zu teuer erscheine, so sei eigentlich nur die Spezial-Betreuung übriggeblieben…

Mit andern Worten: Ein krimineller Gewalttäter muss sich bloss notorisch renitent und unmissverständlich gewaltbereit zeigen – und schon fressen ihm die Strafvollzugs-Verantwortlichen aus der Hand. Soll der doch renitent sein! Dann aber ab in die Zelle. Riegel vorgeschoben. Punkt.

Jahrelanger Strafvollzug sei, geht das Gejammer weiter, eben noch teurer als Luxus-Therapie. Was soll denn diese faule Ausrede? Will man behaupten, dass es «billiger» wäre, alle Gewalttäter, alle Mörder, alle Vergewaltiger freizulassen – allenfalls zulasten zusätzlicher Opfer? Die Gefängnisstrafe für Gewalttäter hat doch die Korrekten, die Anständigen zu schützen – falls die Strafe Strafe, nicht Luxus-Verhätschelung ist.

Sparmassnahmen gäbe es schon. Vor allem müssten all die Erfinder teurer Luxus-Therapien einerseits, von hanebüchenen Ausreden zu ihrem Versagen andererseits unverzüglich entlassen werden. Auf dass Strafe wieder Strafe wäre.

Das wäre der wirksamste Beitrag zu mehr Sicherheit.

Ulrich Schlüer

 

12.09.2013 | 2043 Aufrufe