Unisono tönt es von Bundesrat, Parlament, Wirtschaftsverbänden und Nationalbank, der Franken sei zu hoch bewertet. Deshalb gelte ein Mindestkurs von 1,20 der mit «allen Mitteln» und «bei widrigsten Umständen» durchgesetzt werde.

Ein Baum erkennt man an seinen Früchten. Der starke Franken ist die Frucht der starken Schweizer Wirtschaft. Müssen wir jetzt den Baum kaputtmachen, damit die Früchte schlecht werden? Sind wir von allen guten Geistern verlassen? Der starke Franken bringt und tiefe Zinsen und tiefe Importpreise. Davon leben wir. Unternehmen sowie die privaten Haushalte und der Staat profitieren gleichermassen davon.

Nun gibt es einige Unternehmen in unserem Lande, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Sie exportieren billige Massengüter nach Europa. Diese Güter reagieren schnell auf einen Anstieg des Frankens. Die Aufgabe der Schweizer Unternehmen war es aber schon immer, qualitativ hochwertige Güter in die ganze Welt zu exportieren. Solche Güter reagieren nur wenig auf einen höheren Franken. Zudem gibt es riesige neue Exportmärkte in Asien.

Was aber unsere Nationalbank tut, geht in Richtung wirtschaftspolitischer Selbstmord. Natürlich kann sie unsere Wirtschaft kaputtmachen – dann nützt aber auch der schwache Franken nichts mehr. Ihre Eurokäufe finanziert die Nationalbank nicht mit neu gedruckten Banknoten (wie sie immer wieder behauptet), sondern mit Krediten der Geschäftsbanken (Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB). Fällt der Euro unter 1.20, und davon ist auszugehen, so droht der SNB negatives Eigenkapital. Die Banken müssten dann ihre Kredite an die SNB entsprechend tiefer bewerten und es könnte zu Konkursen bei den Banken kommen. Sind das die «widrigen Umstände», die uns Jordan ankündigt?

Nicht genug: Die SNB könnte von den Geschäftsbanken nur noch Kapital erhalten, um Euros zu kaufen, wenn sie darauf einen hohen Zins bezahlt. Das würde zu einem starken Zinsanstieg in unserem Lande führen. Hausbesitzer, Unternehmen und der Staat würden gleichermassen darunter leiden. Es würde zu Konkursen bei Unternehmen und zu zahlungsunfähigen Haushalten kommen. Würde die SNB beispielsweise am Devisenmarkt 100 Milliarden verlieren, so führt das zu einer realen Wohlstandeinbusse in der Schweiz von 100 Milliarden. Jeder Schweizer verliert also rund 15 000 Franken. Die SNB wird uns dann verkünden, das seien nur Buchverluste. Wenn die Leserin/der Leser aber ihr/sein Geld auf einer Bank anlegt und die geht Konkurs, so ist das auch «nur» ein Buchverlust...

Unsere Nationalbank ist ausser Rand und Band geraten. Sie täte gut daran, die Schweizer Wirtschaft (z.B. Exportindustrie und Tourismus) mit direkten Investitionen hierzulande zu unterstützen anstatt exorbitante Investitionen in Euroland zu tätigen, welche sie «auf Pump» finanziert.

Als guter Schweizer befürworte ich einen starken Franken!

Marc Meyer,
Riehen BS

31.05.2012 | 1148 Aufrufe