Mit der in Nr. 9/2016 der «Schweizerzeit» dargelegten Meinung von Henrique Schneider bin ich nicht einverstanden. Er zitiert eine Aussage des Präsidenten des Schulleiterverbands Schweiz, wonach in vielen Schulen der Handschlag ein wichtiges Ritual sei und zur Schule gehöre. Solche Rituale aber, meint Schneider, seien fehl am Platz, und ergo könne man den Basler Vorfall ohnehin ad acta legen.

Natürlich gibt es religiöse oder politische Rituale, die unter keinen Umständen allgemein angewandt werden dürfen, aber den morgendlichen Handschlag von Kindern mit der Lehrperson zur gegenseitigen Begrüssung als gefährliche Gleichmacherei und zwanghaften Konsens zu bezeichnen, geht mir entschieden zu weit. Gewisse Regeln gehören halt zu unserer Schule und sollen von allen Schülerinnen und Schülern eingehalten werden müssen. Wir haben schliesslich eine Volksschule; wenn diese jemandem nicht passt, dann kann man entweder seine Kinder eine private Institution besuchen lassen, man darf aber auch versuchen, auf demokratischen Wegen den Rahmen unserer Schulstruktur zu ändern, oder, wenn auch das nicht genehm ist, dann soll man seinen Wohnsitz in ein Land bzw. Gastgeberland mit anderem Schulsystem verlegen.

Gegen Schluss des Textes schreibt Herr Schneider, wir hätten schon alle resigniert und der Schule das Erziehungsmonopol übertragen. Die Resignation bei dieser ganzen Therwiler Geschichte orte ich an einem andern Punkt. Sie besteht darin, dass gewisse Leute eingeschüchtert zu resignieren beginnen, weil uns arrogante Zuwanderergruppen immer mehr zu verstehen geben, dass sie nicht gewillt sind, unsere Gepflogenheiten und Gesetze einzuhalten. Im Gegensatz zu Herrn Schneiders Moral von der Geschichte sehe ich deshalb Letztere eher darin, dass wir nicht aus Leisetreterei nach an den Haaren herbeigezogenen Gründen suchen sollten, um obige Verweigerungshaltung zu entschuldigen und zu rechtfertigen.

Hans-Peter Köhli, Zürich

26.05.2016 | 1817 Aufrufe