Wer seine Handlungsfreiheit behalten will, zahlt seine bestehenden Schulden zurück und begründet keine neuen. Für den Fall, dass eine, in den Augen dieses Blogs unwahrscheinliche, vorübergehende Deflation eintreten sollte, wird der durch Wertsteigerung des Geldes eintretende wachsende Schaden verhindert.

Im wahrscheinlicheren Fall inflationärer Entwicklungen ist angesichts der erhöhten Geschwindigkeit der Informationsverbreitung leicht eine solche Beschleunigung der Geldentwertung zu erwarten, dass die Zentralbanken gar nicht anders können, als durch Zinserhöhungen Gegensteuer zu geben. Damit werden alle Schuldner mit – einer je nach vertraglichen Verhältnissen – etwas früher oder später eintretenden Vergrösserung ihrer Last konfrontiert. Solche überraschenden und tiefgreifenden Veränderungen sind keineswegs auszuschliessen, denn die Verhältnisse bleiben nach wie vor instabil.

Der Geldwert der Leitwährung Dollar und aller anderen Währungen ist nicht gesichert und wer sich in der Welt der Nominalwerte zu sehr engagiert hat, vor allem aber der Schuldner, wird den Preis kommender abrupter ökonomischer Schläge zuerst zu bezahlen haben. Zwei Zahlen zur Illustration: Ende des Jahres 1993 betrug die Verschuldungsobergrenze der USA 4,9 Billionen Dollar, heute beträgt sie 16,7 Billionen Dollar, also 16‘700‘000‘000‘000 Dollar. Die tatsächliche Schuld des Staates bewegt sich in derselben Grössenordnung, deshalb kommt es von Zeit zu Zeit zu Politdramen in Washington. Am Ende dürfte, nominal, der Schuldendienst geleistet werden; da der Schuldner die Geldmenge kontrolliert, ist zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass er einen Teil der realen Last durch Entwertung zum Verschwinden bringen wird, nicht von der Hand zu weisen. Da dies übersteigerte inflationäre Erwartungen generiert, muss dann wieder durch Zinserhöhungen Gegensteuer gegeben werden.

Irgendwann könnte das System versagen und der Kollaps eintreten. Das ist weder zu hoffen, noch zu wünschen, aber leider mittel- bis langfristig nicht ganz auszuschliessen. Sicher ist, dass durch Schuldenfreiheit, Diversifikation der Anlagen, durch Zurückhaltung und Vorsicht jene Handlungsfreiheit erhalten wird, die den freien Menschen, die freie Familie, das freie Gemeinwesen von Sklaven und spezifisch von Schuldsklaven zu allen Zeiten unterscheidet.

Jürg Stüssi-Lauterburg

07.11.2013 | 1882 Aufrufe