Bundesrätin Widmer-Schlumpf strebt im Steuerstreit mit den USA eine Globallösung an. Eine solche Globallösung würde heissen, die USA diktieren die Regeln und die Schweiz kuscht. Später ändern die USA die Regeln – immer zum Nachteil der Schweiz – und die Schweiz kuscht wieder. Bei Meinungsverschiedenheiten gilt selbstverständlich allein die Sichtweise der USA.

Widmer-Schlumpf – 2008 «Schweizerin des Jahres» – hat noch nicht erkannt, dass die horrenden Bussen aus Amerika für Schweizer Banken und Schweizer Firmen nur eine Etappe im gegenwärtigen Wirtschaftskrieg sind. Das eigentliche Ziel der USA ist es, den Finanzplatz Schweiz als Konkurrent auszuschalten. Zwar praktizieren die Finanzplätze England (Kanalinseln) Singapur oder Hong Kong ein strikteres Bankgeheimnis als die Schweiz, dort würden die USA aber auf Granit beissen, folglich steht nur die Schweiz im Visier.

Die eigentlichen Gründe für diese Angriffe sind unsere Bereitschaft, anstandslos happige Bussen und Zahlungen zu leisten sowie ein willfähriger Bundesrat, welcher zugunsten der Amerikaner sogar eigenes Recht gebrochen hat. Was das Bankgeheimnis betrifft, hält sich die Schweiz an die Richtlinien der OECD. Wie aber verfährt Saubermann USA mit ausländischen Geldern?

Die US-Staaten Delaware und Florida beispielsweise praktizieren ein strikteres Bankgeheimnis als die Schweiz. Dort kann jeder «Non-Residential» (nicht ansässiger Ausländer) sein Geld anlegen, ohne dass sein Heimatland je davon erfährt. Diesbezügliche Anfragen aus dem Ausland werden nämlich von den USA ganz einfach nicht beantwortet. Sind die hinterhältigen amerikanischen Angriffe auf unseren Finanzplatz deshalb nicht eine Unverschämtheit? Warum fordert unser Bundesrat die USA nicht ganz einfach auf, vor weiteren Attacken auf die Schweiz ihre eigenen Steueroasen trockenzulegen?

Otto Weiersmüller
Uetikon am See ZH

08.02.2012 | 1142 Aufrufe