Im Rahmen der schweizerischen Lehrplanvereinheitlichung unter dem Label «Lehrplan 21» soll Sexualkunde in der Volksschule flächendeckend als fächerübergreifende Unterrichtsthematik eingeführt werden. Einzelne Politgrössen sprechen im Rahmen der geplanten Wissenserweiterung bereits von «Pornokompetenz» (!) seitens der Primarschülerinnen und Primarschüler. 

Szenenwechsel: Ein Primarlehrer betrachtet während seines Unterrichts Pornobilder am PC im Klassenzimmer, in der Meinung, die still beschäftigten Schülerinnen und Schüler sähen nichts. Dem war aber nachweislich nicht so – der fehlbare Lehrer wurde per sofort dispensiert und angeklagt. Quo vadis? 

Die Reform der Volksschule gerät zusehends total aus den Fugen. Hinter dem Rücken von Erziehungsdepartementen wird mit Bundesgeld ein Kompetenzzentrum für Sexualerziehung geschaffen (PHZ), das unter dem Deckmäntelchen «Aidsprävention» agiert. Dasselbe Bundesamt (für Gesundheit) BAG hat uns während den vergangenen zwei Jahren mit geschmacklosen Plakaten und Fernsehspots zum Thema Aidsprävention beglückt. Ich frage mich, in welche Welt Kinder inzwischen hinein geboren werden. So wird es nicht mehr lange gehen und der Begriff «Faktor» erscheint im sexuell aufgemotzten Mathematikunterricht einer siebten Klasse etwas originell geschrieben als «Fuckdoor»…

Nichts gegen alters- und stufengerechte Sexualaufklärung der Schule in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Eltern. Doch dabei ist höfliche Zurückhaltung geboten! Die Dinge dürfen zwar beim Namen genannt werden, im Einzelgespräch, in Gruppen oder mit der ganzen Klasse. Doch gilt es zu beachten, dass einzelne Schülerinnen und Schüler nicht einfach überrollt werden mit Informationen, die ihrem Entwicklungsstand nicht entsprechen.

Trotz gelobter sorgfältiger Ausbildung von Lehrpersonen an den Fachhochschulen ist aber genau dies zu befürchten, wenn Lehrmittel wie das viel zitierte «Lisa und Jan» mit Anweisungen zum gemeinsamen Erkunden des Körpers (gezeigt wird eine Abbildung zur gegenseitigen Masturbation) oder Links zum Thema Analverkehr aufwarten. Dazu kommt, dass mit solchen Themen unter Umständen auch das notwendige Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz im Gefüge Lehrperson und Klasse empfindlich gestört werden kann und zwar nicht wegen irgend einer Inkompetenz, sondern als Folge der Sache an und für sich.

Sexualität ist etwas sehr Persönliches und darf auch im 21. Jahrhundert noch mit der berühmten «Schamgrenze» eingezäunt bleiben, sowohl bei Heranwachsenden wie auch bei unterrichtenden Erwachsenen. Dies und nicht mehr und nicht weniger verlangt die zurzeit aufgegleiste «Petition gegen die Sexualisierung der Volksschule».

Daniel Vuilliomenet,
Sekundarlehrer

 

26.07.2011 | 1511 Aufrufe