Der frühere Chefökonom Norbert Walter der Deutschen Bank rät der Schweiz zum Eurobeitritt. Richtig, unsere Exportindustrie und auch ihre Zulieferer leiden unter dem starken Franken. Beim Rat eines Exponenten der Berufszunft, die die Banken in eine der grössten Finanzkrisen schlittern liess, dürfte aber Skepsis angebracht sein. Der Euro ist und bleibt eine politisch gewollte Währung über unterschiedlichste Länder, der aus wirtschaftlichen Überlegungen von Anfang an misstraut wurde. Aber auch heute noch wollen die Zentralisten in Brüssel der Euroschwäche vor allem mit Dirigismus begegnen, statt den Schuldenabbau auch mit Schuldenverzicht vieler fahrlässigen Banken endlich an die Hand zu nehmen und den Euroraum allenfalls aufzuteilen. Hier liegt der Hund begraben, und wenn Walter etwas naiv meint, die Schweiz könnte bei einem Beitritt zum Euroraum als Modell für ein Europa der Zukunft dienen, so hat er sich kaum je mit dem Vertrag von Lissabon näher befasst. Ob Euro oder EU, hier sind, wie Blocher kürzlich treffend sagte, alle für alles zuständig, aber niemand für etwas verantwortlich.
 
Die Schweiz wird ihren Franken und die Eigenständigkeit ihrer Nationalbank nicht aufgeben. Unsere Exportindustrie dürfte sich mit noch mehr Effizienz und intelligenten Erzeugnissen behaupten. Und wenn alle Stricke reissen, ist den Unternehmen mit weiteren Steuererleichterungen entgegenzukommen. 
 
Leserbrief von Wolfgang Sidler,
Luzern

17.01.2011 | 1227 Aufrufe