Vorerst muss einmal festgehalten werden, dass Bundesrat Bersets Ausführungen der einseitigen Sichtweise zum Familienartikel eines sozialistischen Ideologen entspringen. Er und sein Freiburger Genosse Levrat machen denn auch in ihrem gemeinsamen Buch «Changer d'ère» keinen Hehl daraus, dass die Schweiz im Sinne des «real existierenden Sozialismus umgepflügt» werden müsse (dank tätiger Mithilfe der CVP ist dieses Ziel bald einmal erreicht). Berset meint weiter: «Mit dem Verfassungsartikel wird kein einziger Franken für die Kinderbetreuung ausgegeben.» Das stimmt, aber den Rattenschwanz von möglichen daraus abzuleitenden masslosen Forderungen verschweigt er wohlweislich.

Der Familienartikel kommt, wie der Mensch Alain Berset, sympathisch und auf leisen Sohlen daher. Steht dieser Artikel einmal in der Verfassung, eröffnen sich den linken und christlichen Verstaatlichern ungeahnte Möglichkeiten, die Steuerzahler zu schröpfen, unabhängig, ob Unternehmen, kinderlose Ehepaare, Rentner oder Singles. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass dieser Familienartikel zu einer unbezahlbaren Aufblähung unseres Sozialstaates führte. Nicht umsonst haben Vertreterinnen von sozialen Organisationen von höchster Stelle die Weisung erhalten, vor der Abstimmung in Deckung zu gehen. Wehe, wenn die Umverteiler einmal losgelassen! Da bleibt kein Stein auf dem andern, wie wir bereits heute in mehreren Schweizer Grossstädten hautnah Anschauungsunterricht geniessen können.

Dieser Verfassungsartikel müsste für die Verwirklichung unzähliger, schon lange gehegter, sozialistischer Wunschträume herhalten. So etwa steht ein Vaterschafts-/Elternurlaub von 24 Wochen schon seit langem auf dem Programm. Das Ganze wäre eine gigantische Umverteilung zu einem staatlich-ineffizienten, schwerfälligen Beamtenapparat, zu berappen vom geplagten Steuerzahler, der Wirtschaft und dem Konsum. Enorme Kostensteigerungen und damit Konkurrenznachteile für unsere Exportwirtschaft wären unvermeidlich! Arbeitsplatzverluste wären die Folge!

Sind wir uns eigentlich bewusst, was für ein ökonomischer Unsinn es wäre, die Schweiz zu einer einzigen grossen Staatskrippe umzukrempeln? Auch Herr und Frau Akademiker mit einem Doppeleinkommen von beispielsweise 30'000 Franken monatlich dürften ihre Kinder gratis in die Krippe geben. Wäre es nicht sinnvoller, die beschränkte Zahl von Bedürftigen , zum Beispiel Alleinerziehende, gezielt zu unterstützen statt flächendeckend Subventionen, die wir uns gar nicht leisten können, nach dem Giesskannenprinzip über die ganze Bevölkerung auszuschütten?

Am 29. Januar 2013 schreibt die NZZ unter dem Titel «Die Mär vom Fehlen der Krippenplätze»: «Die Behauptung , basierend auf veralteten Hochrechnungen von 2005, dass Zehntausende von Krippenplätzen fehlten, ist von der Praxis schon längst widerlegt.» FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, Mitbegründer des zu 100 Prozent eigenfinanzierten Kinderhorts «Kobold», macht eine kleinliche, dilettantische Reglementierung und eine ausufernde Bürokratisierung dafür verantwortlich, dass nicht mehr private Krippenplätze geschaffen werden. Er meint zurecht: «Private arbeiten effizienter und kostengünstiger!»

Schlussendlich müssen wir froh sein, keine von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf einmal verlangte Grosseltern-Prüfung ablegen zu müssen, um unsern eigenen Enkel hüten zu dürfen!

Robert Nieth,
Walchwil ZG

 

26.02.2013 | 1554 Aufrufe