Postfaktische Zeiten?

Seit Donald Trumps Wahl wissen wir: Wir sind grenzdebiler weisser Abfall, der an nichts glaubt, ausser an rassistische Fake-News. Willkommen in «postfaktischen Zeiten».

von Hermann Lei, Kantonsrat SVP, Frauenfeld

Unerklärlicherweise hat das Volk nicht auf die Medien gehört, sondern für die Masseneinwanderungsinitiative, für den Brexit und für Trump votiert. Praktisch die gesamte hiesige Medienlandschaft arbeitet sich deshalb kampagnenartig an «Fake News» ab und ruft das «postfaktischen Zeitalter» aus. Das Narrativ lautet: Bewusst gestreute Falschmeldungen hätten die Willensbildung massgeblich beeinflusst. Die einfachen Leute würden den Populisten alles glauben und den Medien nichts.

Böse Bots, böse News

So raunt die NZZ unter dem düsteren Titel «Die dunkle Macht der Algorithmen», in den Social Media würde die politische Kommunikation durch automatisch generierte Fake News geprägt. Jede fünfte Nachricht in den Social Media werde algorithmisch, durch Bots, produziert. Der Tagi hyperventiliert in dutzenden Artikel zum Thema. Und auch der Blick weiss von «alarmierende Zustanden»: «Schüler können Fake-News nicht erkennen». Von Trumps «versteckter Facebook-Armee» sprach die BBC.

Quelle für diese Thesen ist eine «Analyse» von Buzzfeed News. Buzzfeed News ist eine eher seichte US-Internetzseite mit grosser Reichweite. Sie kam zum Schluss, dass in den letzten drei Monaten vor der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl gefälschte Meldungen mehr Interaktionen auf Facebook generiert hätten als «echte News» von etablierten Medien. Die Falschmeldung, der Papst würde Trump wählen, sei zum Beispiel mehr angeklickt worden als die die «wahre» Meldung, Trump sei korrupt und nicht Hillary Clinton. Das Unternehmen ist offensichtlich parteiisch, ja es weigerte sich sogar, für Trump Werbung zu schalten, denn: Trump sei so schädlich wie Zigaretten. Die «Analyse» strotzte sodann vor methodischen Mängeln, kurz: Die angebliche «Analyse» ist unbrauchbar, sie ist selber Fake-News. Die «Fake-News»-Geschichten sind eine abstruse «Verschwörungstheorie» des Establishments.

Verschwörungstheorie des Establishments

Fakten interessieren offenbar niemanden, wenn es darum geht, die Bürger für faktenresistent zu erklären. So vermeldete die «SonntagsZeitung» alarmistisch: «Auch in der Schweiz werden Fake-News produziert. Und sie verbreiten sich durch die sozialen Medien im ganzen deutschsprachigen Raum.» Die NZZ rief gar das «postfaktische Zeitalter» aus.

Dass die Bürger sich zunehmend ausserhalb der etablierten Medien informieren, erstaunt nicht. Im US-Wahlkampf gab es eine fast einstimmige Verdammung von Trump. Weit mehr als 90 Prozent der Medien machten ständig Werbung für Clinton, ihre Skandale wurden eher summarisch abgehandelt. Trump dagegen wurde nach Strich und Faden madig gemacht. In der Schweiz ist es ähnlich: Von über hundert Zeitungen im deutschsprachigen Raum verfolgen mindestens 95 Prozent einen klaren Mitte-Links-Kurs. Dass nun die diskreditierten Medien versuchen, das Internet zu reglementieren und Zensur einzuführen, überrascht wenig.

Zensur wie in China

Die Kontrolle der Information war immer schon ein Anliegen der jeweils Herrschenden, um ihre Macht zu festigen. Darum sollen jetzt also soziale Netzwerke wie Facebook oder die Suchmaschine Google gezwungen werden, nur noch die politisch korrekte Wahrheit zu verbreiten. Facebook knickt bereits ein, es hat Algorithmen zur Selektion von Nachrichten entwickelt, die auch für die Zensur in China eingesetzt werden können. Auch Google will gegen Fake-News vorgehen. Plattformen, die mehrheitlich «falsche Nachrichten» verbreiten, soll wirtschaftlich das Licht ausgeknipst werden.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder sprach aus, wohin die Reise geht: «Wenn das Netz weiter lügt, ist mit Freiheit Schluss.»

 

Bild zVg. Hermann Lei

 

23.11.2016 | 846 Aufrufe