Ein Unternehmer und Milliardär, Hansjörg Wyss, verspricht via «Tages-Anzeiger» (3. Oktober 2014) Millionen an die, die Christoph Blocher – z.B. mittels Volksinitiative – als «Rattenfänger von Seldwyla» entlarven und niederringen würden.

"Spalte rechts"
Kommentar des Chefredaktors

Was in der auf Blocher zielenden Initiative stehen soll, weiss er zwar nicht. Absolut notwendig sei sie trotzdem. Die Kriegserklärung tönt martialisch – und ist trotzdem ziellos: Charakteristisches Handeln jener, die die Schweiz unbedingt dem Schosse Brüssels zuführen wollen.

Dass sein Vorgehen gar nicht auf Blocher, vielmehr auf den Schweizer Souverän zielt, scheint der im Kampfgeld schwimmende Unternehmer noch gar nicht realisiert zu haben. Schliesslich hat nicht Blocher, vielmehr das Volk, der Souverän, das den Milliardär bis zur Kopflosigkeit erzürnende Ja zur Initiative gegen die Masseneinwanderung ausgesprochen. Der Milliardär ist nicht Barrikadenkämpfer gegen Blocher – er ist Quisling, der für die Sache Brüssels gegen den Schweizer Souverän agitiert.

Allein ist er dabei nicht. Eine wahre Fülle zufällig gleichzeitig eintretender Ereignisse gibt ihm Auftrieb: Der Milliardär verbreitet im «Tagesanzeiger», er wisse «aus vielen Reaktionen», dass das Volk den Entscheid vom 9. Februar (Ja zur Initiative gegen die Masseneinwanderung) am liebsten widerrufen möchte. Und, welch ein Zufall, im Lauf des gleichen Tages werden von Claude Longchamp (der mit seinen Prognosen noch nie daneben lag) Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die wendige (oder windige) Medienleute flugs in die gleiche Richtung zu drehen verstehen – obwohl eine Umfrage des genau gleichen Instituts kurz nach dem 9. Februar genau das Gegenteil ausgesagt hat.

Longchamp beeilte sich denn auch, selber nicht pauschal in den Chor der Brüssel-devoten Interpretierer einzustimmen – obwohl «man es», wie er sagte, so sehen könne, wie die Medien verkünden.

Und, drittes Ereignis: Offenbar bereits vor Tagen soll – ganz zufällig – auf den Abend just nach Veröffentlichung der Milliardärs-Kampfansage und der Umfrage-Ergebnisse eine «Arena» anberaumt worden sei, die das mediale Breitschlagen dieser «wissenschaftlichen Umfrageergebnisse» gleichsam stromlinienförmig garantierte.

Es soll Leute geben, die – selbst im Rahmen von Kampagnen um die EU-Frage – an solche Zufälle tatsächlich glauben.

Ulrich Schlüer

08.10.2014 | 2371 Aufrufe