Solothurner Volksinitiative «Ja zu einer guten Volksschule ohne Lehrplan 21»

Die Schalmeienklänge der kantonalen Verwaltungen und zuständigen Regierungsräte rund um den Lehrplan 21 wollen nicht verklingen. Aber all die «Lobhudelei» kann jene, welche sich mit dessen Inhalt auseinandersetzen, nicht darüber hinweg täuschen, dass mit dem Lehrplan 21 ein einschneidender Paradigmenwechsel an unseren Schulen stattfinden wird.

von Beat Künzli, Gemeinde- und Kantonsrat, Laupersdorf SO

Sie halten es ganz mit Friedrich Schillers weisem «Lied von der Glocke»:

«Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.»

Statt sich mit der berechtigten inhaltlichen Kritik am Lehrplan 21 auseinanderzusetzen, versuchen dessen Promotoren lieber, die Aufmerksamkeit auf die Kritiker zu lenken. Ganz nach der alten Taktik «Nicht hinhören, das sind ganz Komische!» Doch so komisch sind die eigentlich gar nicht, sie übernehmen einfach nicht alles ungeprüft, was ihnen die Bildungsbürokraten und die Verwaltung vorlegen. Denn mit dem Lehrplan 21 wird vieles, was sich über Jahrzehnte bewährt und unsere Schule zu einer der erfolgreichsten gemacht hat, umgestossen. 

Unzählige Schulreformen

Das bisherige schweizerische Schulsystem geniesst weltweit einen ausgesprochen guten Ruf. Doch wie lange noch? Die Einführung des Lehrplans 21 wird die Mutter aller Reformen sein. Ja, eine der umfassendsten Umwälzungen unserer Schule überhaupt. Und dies, obwohl wir immer noch daran sind, die Reformen der letzten Jahre umzusetzen und zu implizieren (integrativer Unterricht, geleitete Schulen, Sek 1-Reform, Frühfremdsprachen, neue Schrift, etc.). Kein Wunder, äussern mittlerweile viele Schulleiter und Lehrer die Kritik, dass die Bürokratie seitens der Volksschulämter und des Departements für Bildung noch weiter zunimmt.

Was und wie an unseren Schulen gelehrt wird, geht uns alle etwas an. Darum müssen wir uns die Frage stellen: Wie gut werden unsere Kinder ihren Rucksack nach elf Jahren Volksschule mit dem Lehrplan 21 noch gefüllt haben?

Fragwürdiges Schweigen der Wirtschaft

Ich staune darüber, dass die Wirtschaftsverbände und die Unternehmer diesen neuen Lehrplan ungeprüft und kritiklos akzeptieren. Sie sind es doch, welche darunter leiden werden, wenn ihre Lehrlinge das nötige Wissen und das Grundrüstzeug für den Beruf nicht mehr mitbringen werden und sie dieses in mühsamer Nacharbeit aufholen müssen. Denn seien wir ehrlich: Hätte unsereins sich in der Schulzeit wirklich derart ins Zeug gelegt, wenn wir damals nach dem «JeKaMi»-Prinzip hätten lernen dürfen, was und wieviel uns gerade behagt? Vermutlich nicht, liegt es doch in der Natur des Menschen, dass wir – gerade als Kinder und Jugendliche – etwas Druck brauchen. Doch genau dies wird in Zukunft die Prägung unserer Schulen sein, wenn die Lehrer angehalten sind, das sogenannte «Selbstorganisierte Lernen (SOL)» umzusetzen. Dies ist nämlich einer der zentralen Punkte des Lehrplans 21!

Durchschnittliche und schwache Schüler werden mit dem «Selbstorganisierten Lernen» überfordert sein und die Unterschiede in den Klassen werden noch einmal massiv grösser werden. Ohne verbindliche Anleitung durch den Klassenlehrer werden viele Schüler resignieren. Die Klassenlehrperson muss einen wichtigen Platz im Lernprozess eines Schülers einnehmen, da Lernen mitunter ein zwischenmenschlicher Prozess ist. Sie muss eine wichtige Bezugsperson für den Schüler bleiben und ihm im Klassenunterricht Wissen vermitteln können. Wo dies nicht mehr gewährleistet ist, verkümmert die Bildung. Deshalb sollten Eltern, Lehrer und insbesondere Vertreter der Wirtschaft diesen Lehrplan 21 genau studieren und prüfen, damit sie sehen, was damit auf uns zukommt. So lehnen im Kanton Aargau bei einer Umfrage über sechzig Prozent der Lehrer das «Selbstorganisierte Lernen», welches Stoffauswahl und Lernprozesse weitgehend den Schülern überlässt, ab! 

Wenn Lehrplan 21-Befürworter gebetsmühlenartig behaupten, es ändere sich nichts an der Lernmethodik, dann stimmt dies schlicht nicht. Dies sieht man unter anderem daran, dass an unseren Schulen bereits heute vermehrt mit Lehrmitteln gearbeitet wird, welche die Selbstorganisierenden Methoden bevorzugen (z.B. das Französischlehrbuch «Mille feuilles»). Denn schliesslich müssen neue Lehrmittel bereits Lehrplan 21-kompatibel sein! Damit wird bei den Lehrpersonen die eigentlich garantierte Methodenfreiheit eingeschränkt. Und dies wird der Lehrplan 21 weiter zementieren.

Als Vater von sechs Kindern erlebe ich diese Veränderung an unserer Schule hautnah mit. Mit mir können viele Eltern bestätigen, dass sich die Lern- und Unterrichtsmethoden bereits jetzt derart in diese Richtung verändern, dass die Ergebnisse schon jetzt spürbar sind. Und dies notabene noch bevor man den Lehrplan 21 definitiv eingeführt hat.

Die pädagogischen Hochschulen sind derart versessen auf diese neuen Lernarten, dass sie diese ihren Studenten blindlings eintrichtern und auch gestandene Lehrpersonen in Weiterbildungen darauf getrimmt werden. Wo bleibt da nur der Widerstand? Ich meine, an allem zustande kommenden Unfug sind nicht nur jene schuld, die ihn verursachen, sondern auch diejenigen, die ihn nicht verhindern.

Wissensabbau

Auch die Tatsache, dass man mit den Schülern nicht mehr Jahresziele anstrebt, sondern nach neuem Lehrplan in Zyklen von drei bis vier Jahren arbeitet, wird die Schere zwischen den Schülern einer Klasse weiter öffnen. Durch die Verzettelung mit Lernabschnitten von drei bis vier Jahren anstatt klaren und transparenten Jahrgangszielen ist eine Harmonisierung zwischen den Kantonen gar nicht möglich. Oder glaubt man, dass ein Kind aus dem Kanton Solothurn nach einem Umzug in den Kanton Aargau den Unterricht dort nun genau am gleichen Ort fortsetzen können wird? Undenkbar, da sich die Ziele über bis zu vier Jahren hinziehen und der Weg dorthin völlig unterschiedlich sein wird. Um einen Wohnortwechsel tatsächlich zu vereinfachen, müssen klare und überprüfbare Jahrgangsziele für die einzelnen Schulfächer festgeschrieben werden.

Versprechen nicht eingehalten

Auch das Problem der Fremdsprachen ist mit dem neuen Lehrplan in keiner Weise gelöst. Im Gegenteil: Die unterschiedliche Handhabung in den Kantonen geht munter weiter. Ein Kind kann also auch mit dem Lehrplan 21 nicht einfach den Wohnkanton wechseln, ohne mit unterschiedlichen Fremdsprachen-Regelungen in Konflikt zu kommen. Es herrscht ein gnadenloser Flickenteppich über die ganze Deutschschweiz, welcher mit dem Lehrplan 21 nicht im Geringsten korrigiert wird. Das Versprechen der Erziehungsdirektoren wird mit dem neuen Lehrplan keineswegs eingehalten. 

Bald wird man vielleicht sagen: Das waren noch Zeiten, als Lehrerinnen und Lehrer ihren Unterricht selbständig gestalten konnten, der Klassenlehrer alleine vor der Klasse stand, die Methodenfreiheit garantiert war, ihre Erfahrung zählte, Freiheit in der Stoffwahl bestand, die homogene Jahrgangsklasse Standard war, von Inspektoren und Schulpflegen fachliche und von Eltern erzieherische Unterstützung erhielten und ihren Beruf als Berufung empfanden.

Seit geraumer Zeit wird dieses Berufsbild demontiert. Stichworte dazu: Individualisieren mit integrativer Schulung unter Verbannung von Klassenunterricht, was zusätzliche Heilpädagogen im Klassenzimmer erfordert; alters-, leistungs-, sprach-, «ethnisch- und kulturheterogene» Klassen; überbordender Aufwand für Schulversuche, Schulentwicklung, Umfragen, Bürokratie und Rapporte statt Unterricht. Wer daran glaubt, dem Lehrplan 21 wegen vermeintlicher Harmonisierung zustimmen zu müssen, hat die geschilderten Risiken und Nebenwirkungen nicht realisiert.

Und wer meint, alles sei nun schon so weit, dass es keine Alternative mehr gäbe, der irrt ebenfalls. Man kann nicht infolge mangelnder Alternativen etwas einführen, das offensichtlich unausgereift, ideologisch, wissenschaftlich fragwürdig, experimentell und zu alledem noch sehr teuer ist. Es ist Zeit, STOPP zu sagen!

Im Kanton Solothurn wird die Volksinitiative «Ja zu einer guten Volksschule ohne Lehrplan 21» dem Stimmvolk am 21. Mai 2017 vorgelegt. Dann können Sie dem Lehrplan 21 mit einem «JA zur Initiative» einen Riegel schieben – damit unsere Jungen auch in Zukunft zu selbständigen und verantwortungsvollen Bürgern werden, welche sich im Leben bewähren können.

Weitere Informationen: www.so-ohne-lp21.ch

 

15.01.2017 | 716 Aufrufe