STACHEL

Drei Jahre Minarettverbot

 Jann-Andrea Thöny, Präsident JSVP GR, Schiers GR

Vor drei Jahren stimmten 57.5 Prozent der Stimmbürger gegen den Bau von Minaretten. Unmittelbar nach dem historischen Abstimmungsergebnis äusserten sich Medien, Linke, Gutmenschen – kurz, das gesamte Politestablishment – schockiert über den unerwarteten Abstimmungsausgang.

Allen voran tat sich der Club Helvetique, eine Denkstube linker Intellektueller, hervor. In einer Publikation wurden zwei Reaktionsmöglichkeiten angedacht:

a) nach Strassburg (europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) zu gehen oder

b) eine Gegeninitiative mit einem Toleranzartikel zu starten.

Wie wir heute wissen, waren weder a noch b erfolgreich. Was sich hinter dem nebulösen Begriff «Toleranzartikel» verborgen hätte, bleibt wohl ein Geheimnis. Trotzdem veranlasste mich dieses Vorpreschen, mir einige Gedanken zur Bedeutung Toleranz zu machen. Immerhin wird mir, und einer Bevölkerungsmehrheit, Intoleranz unterstellt.

Toleranz als Fundament des Pluralismus

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Das heisst, wir orientieren uns an unterschiedlichen Wertvorstellungen, beherzigen individuelle Lebenskonzepte und pflegen teilweise gar unterschiedliche Kulturen. Ohne Toleranz wäre ein friedliches Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft undenkbar.

Vor drei Jahren standen wir vor der Frage, wie viel Toleranz der muslimischen Glaubensgemeinschaft in diesem Land entgegengebracht werden soll. Verhielt ich mich intolerant, als ich den Abstimmungszettel mit einem Ja versah? Habe ich gar gegen die pluralistische Tradition dieses Landes verstossen? Ich meine nicht.

Die Früchte des Islams

Perspektivenwechsel: Wie tolerant ist der Islam?

In keinem Kulturkreis werden Andersdenkende derart unterdrückt, wie in der muslimischen Welt. Im Weltverfolgungsindex 2012, der von der NGO Open Doors jährlich publiziert wird, nehmen fast ausnahmslos muslimische Länder die Spitzenplätze in der Christenverfolgung ein.

Gemäss einer Umfrage des Daily Telegraph vom 19. Februar 2006 wollen 40 Prozent der englischen Muslime schon heute unter der Scharia (brachiales Rechtssystem des Islam) leben. Hegen einige der knapp 300‘000 Muslime in der Schweiz ähnliche Absichten? Vielleicht.

Bekenntnis zur Toleranz

Wie viel Toleranz darf einer intoleranten Gemeinschaft zugestanden werden?

Die Toleranz anderen gegenüber hört für mich dort auf, wo ich auf Intoleranz stosse. Auch in einer pluralistischen Gesellschaft, wo einander Freiheitsrechte zugestanden werden und Vielfalt positiv gewertet wird, muss interveniert werden, sobald die Freiheit der Gesamtheit auf dem Spiel steht. Diese Intervention hat die Schweizer Bevölkerung vor drei Jahren in eindrücklicher Deutlichkeit vollzogen. Und darauf dürfen wir stolz sein!

Jann-Andrea Thöny

02.12.2012 | 2013 Aufrufe