Ayaan Hirsi Ali: Man kann sie gewiss weder als rechtsextrem noch als populistisch abtun. Sie wurde als Muslima Opfer eines Anschlags. Und seit sie Opfer wurde, schweigt sie nicht länger. Sie bezeichnet die Pariser Bluttaten als vom Islam nicht abtrennbare Verbrechen. Die sich an die Medien drängenden Offiziellen reagieren betreten.

"Spalte rechts"
Kommentar des Chefredaktors

Deren Dreihundertmeter-Marsch vor laufenden Kameras war durchaus eindrücklich. Ihr erleichtertes Besteigen sorgfältig abgesicherter Busse danach, die die Kurzmaschierer in ihre gewohnte Umgebung auserlesener «Arbeitsessen» in glänzendem Rahmen zurücktransportierten, beindruckte weniger. Von Verantwortung mochten sie nicht reden. Fragen stellten die Medien keine.

Den Mächtigen unter diesen Fürsten mit leeren Kassen gelingt es einerseits, Vermögende, von denen etwas – legal oder illegal – zu holen ist, selbst in hintersten Winkeln des Erdballs aufzuspüren und auszunehmen. Doch trotz raffiniertester Überwachungstechnologie, trotz «in gemeinsamer Verantwortung» grossartig aufgezogenem Grenzschutz und technisch modernster Personendaten-Erfassung will es ihnen nicht gelingen, religiös motivierte Gewalttäter, vor denen längst gewarnt wird, von der Zivilisation fernzuhalten.

Umso schroffer reagieren sie auf Fragen, ob denn die staatlichen Sicherheitskräfte, ihre Armeen also, angesichts der sichtbar werdenden Methoden heutiger Kriegführung angemessen ausgebildet, ausgerüstet und bewaffnet seien: Mit Toleranz, nicht mit Sicherheitsvorkehrungen, seien die Anschläge zu parieren. Als könnten Intolerante durch Toleranz besänftigt werden.

Auch auf geistig-moralischer Ebene beunruhigen merkwürdige Auslassungen. In der Schweiz gibt es einen «Rat der Religionen». Er schweigt seit Monaten. Würde er sich äussern, käme er kaum darum herum, die seit Jahren schlimmsten Christenverfolgungen in muslimischen Ländern zumindest zu beklagen. Aber der Rat schweigt. Weshalb nur? Weil dem Präsidium dieses «Toleranz-Modells» ein alle Religionen miteinbeziehender Turnus verordnet worden ist? Weil derzeit ein Muslim diesen «Rat des Schweigens» präsidiert?

Müssen wir tatsächlich schon als Fortschritt preisen, dass wenigstens die in den Sofort-Stellungnahmen unmittelbar nach der Pariser Bluttat verbreiteten Behauptungen aus den Schlagzeilen verschwunden sind, wonach es sich bei den Tätern von Paris um «drei Einzelfälle» handle?

Ulrich Schlüer

 

14.01.2015 | 1918 Aufrufe