Die umstrittenen Forderungen des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse zur umfassenden Digitalisierung der Primarschule zeigen klar, wozu die überzogenen Zielsetzungen des neuen Lehrplans verleiten können. Dieser will das massgeschneiderte Lernen – weit über eine massvolle Individualisierung hinaus – zum Grundprinzip erheben. Da gleichzeitig auf verbindliche Jahresziele verzichtet wird, droht eine kaum noch zu bewältigende Heterogenität in den Klassen.

Economiesuisse glaubt nun, die Lösung gefunden zu haben, indem der Unterricht in Mathematik und Deutsch über digitale Lernprogramme abgewickelt werden soll. Die Lehrpersonen würden die Schüler bei den Lernprozessen nur noch überwachen. Zudem sollen die Schüler in den Hauptfächern in Leistungsgruppen eingeteilt werden. Das einschneidende Reformkonzept deckt auf, dass der neue Lehrplan die Schule grundlegend verändern wird. Bei allem Respekt vor der Absicht, schon früh einen gesunden Leistungsgedanken zu verankern, ist der Preis für dieses Anliegen zu hoch. Dessen Verwirklichung käme einem Abschied von humanistischen Bildungsvorstellungen gleich.

Hanspeter Amstutz, Fehraltorf

22.03.2018 | 4697 Aufrufe