Kurzsichtige Polemik gegen die Gold-Initiative

Die Goldreserven der Nationalbank werden in der Gold-Initiative als «unverkäuflich» erklärt. Das bringt jene, die mit dem Nationalbank-Gold lieber spekulieren möchten, offensichtlich auf die Palme.

Bis 1997 hielten Nationalbank und Bundesrat am Grundsatz fest, wonach die Nationalbank-Goldreserven grundsätzlich «unverkäuflich» seien. Der Bundesrat bezeichnete die Goldreserven mehrfach als das «unverkäufliche Tafelsilber der Nation».

Nationalbank und Bundesrat wussten damals die Unverkäuflichkeit der Goldreserven nachdrücklich zu begründen – etwa mit den Worten von Jean Zwahlen, damals Mitglied des Nationalbank-Präsidiums, der Öffentlichkeit gegenüber geäussert am 19. Juni 1995: «Für Tausende von Jahren stand Gold für Wohlstand und Status, für Vertrauen und Verlässlichkeit. Die Loyalität der Nationalbank gegenüber Gold stärkt ohne Zweifel ihren Ruf und ihre Glaubwürdigkeit».

Fundament – nicht «Notgroschen»

Gegner der Gold-Initiative lamentieren heute, unverkäufliche Goldreserven seien «nichts wert», da – z.B. im Fall einer Krise – nicht als «Notgroschen» nutzbar.

Doch die Goldreserven sind und waren nie «Notgroschen». Die Goldreserven sind vielmehr das unverkäufliche Fundament des stabilen und damit weltweit Vertrauen geniessenden Schweizer Frankens. Die ganze Welt soll zu jedem Zeitpunkt, insbesondere auch in Krisenzeiten wissen, dass der Schweizer Franken auf einem ausreichenden Goldfundament ruht. Auf dass seine Kaufkraft immer intakt bleibt – auch in Krisenzeiten, auch wenn andere Währungen der Schwindsucht verfallen. Damit die Schweiz oder Schweizer Firmen zu jedem Zeitpunkt überall auf der Welt die für uns notwendigen Güter gegen Schweizer Franken kaufen können. Wer die Goldreserven in Krisenzeiten als «Notgroschen» aufbraucht, raubt dem Franken dieses unverzichtbare Vertrauensfundament, was sich katastrophal auswirken kann.

Goldreserven sind nicht Notgroschen. Sie sind das unverzichtbare Fundament, das dem Schweizer Franken zu jedem Zeitpunkt seine Kaufkraft sichert.

Bilanz-Schwankungen

Das Lamento der Gegner der Gold-Initiative umfasst weitere Kapitel: Auch der Goldpreis unterliege Schwankungen. Betrage der Goldanteil an der Nationalbank-Bilanz mindestens zwanzig Prozent, dann könnten Goldpreis-Schwankungen unerwünschte Bilanz-Schwankungen verursachen.

In den Jahrzehnten, da die Nationalbank über hohe Goldreserven verfügte, die nach aussen stets als «unverkäuflich» erklärt und behandelt wurden, wurden die Goldreserven während Jahren zu konstantem, relativ tief angesetztem Wert in der Nationalbank-Bilanz aufgeführt. Damit wurde einerseits dem offensichtlichen Wert dieser Goldreserven, andererseits dem Grundsatz ihrer Unverkäuflichkeit – also dem Verzicht auf Realisierung ihres Wertes – sorgfältig Rechnung getragen. Auch vor 1997 unterlag der Goldpreis auf dem freien Markt Schwankungen. Diese fanden aufgrund der gewählten Verbuchungspraxis aber keinen Niederschlag in der Nationalbank-Bilanz. Will man Bilanz-Schwankungen verhindern, kann man mit unverkäuflichen Goldreserven in der Nationalbank-Bilanz ohne weiteres gleich verfahren – auch heute.

Verzichtet man darauf, muss man Schwankungen in der Bilanz hinnehmen. Im Wissen, dass von diesen Schwankungen keinerlei Gefahr ausgeht, ist doch der Wert des Goldes seit Beginn der Weltgeschichte nie auf Null gesunken. Grosse Gefahr geht indessen aus von Überbeständen an Fremdwährungen, wie sie heute – in Form viel zu hoher Euro-Bestände – die Nationalbank-Bilanz belasten. Schliesslich weiss niemand, ob es den offensichtlich marktuntauglichen Euro in zehn Jahren überhaupt noch gibt…

Ertrinkungstod im Gold?

Schlicht lächerlich ist das «Argument», mit als «unverkäuflich» deklarierten Goldreserven könnte die Nationalbank dereinst einmal überhaupt nur noch auf Goldreserven sitzen. Ausgerechnet die, welche die kopflose zu schlechtest denkbarem Preis realisierte Verhökerung von sechzig Prozent der Nationalbank-Goldreserven vor gut zehn Jahren auf dem Gewissen haben, wollen uns heute den bevorstehenden «Ertrinkungstod im Gold» aufschwatzen.

Goldkäufe sind nicht erforderlich

Die Gold-Initiative verlangt, dass der Gold-Anteil an den Nationalbank-Aktiven mindestens zwanzig Prozent betragen muss. Dieses Ziel ist innert fünf Jahren zu erreichen. Von «sofortigen Goldkäufen in Milliardenhöhe», wie sie die Initiativ-Gegner reisserisch an die Wand malen, also keine Spur. Zur Erreichung des geforderten Ziels sind – wie die Nationalbank haargenau weiss – überhaupt keine Goldkäufe zwingend notwendig.

Rufen wir uns die Geschehnisse in Erinnerung: Mitte 2011 drohte der Euro ins Bodenlose zu fallen. Die Nationalbank intervenierte und setzte mittels monatelang anhaltenden Euro-Notkäufen den deklarierten Mindestkurs von Fr. 1.20 pro Euro schliesslich durch. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Aber seit Mitte 2012 hält sich der Euro über Fr. 1.20. Die als «vorübergehende Notmassnahme» erklärten Notkäufe sind seither nicht mehr nötig. Schrittweises, in kleinen Portionen vorzunehmendes Abstossen der seit 2011 viel zu hohen Euro-Bestände drängt sich seit Monaten auf. Werden diese viel zu hohen Euro-Bestände in der von der Initiative eingeräumten Übergangsfrist von fünf Jahren deutlich vermindert, dann steigt angesichts solcher Bilanz-Reduktion der Anteil der Goldreserven von selbst – ohne Zukäufe.

Selbstverständlich wäre es nicht falsch, angesichts des gegenwärtig eher tiefen Goldpreises mit einem Teil der zu verkaufenden Eurobestände auch in bescheidenem Ausmass Gold zu kaufen. Für die Erfüllung der Initiativziele ist dies aber nicht notwendig.

Wohlgemerkt: Hätten nach dem Jahr 2000 die unüberlegten, kopflosen Goldverschleuderungs-Aktionen der Nationalbank nicht stattgefunden, dann läge der Goldanteil an der Nationalbank-Bilanz heute – trotz der massiven Euro-Zukäufe in den letzten Jahren – bei rund achtzehn Prozent, also nur geringfügig unter den von der Initiative geforderten zwanzig Prozent.

Aus diesem Zusammenhang wird auch klar: Je grösser die Goldreserven der Nationalbank sind, desto eigenständiger ist sie handlungsfähig, wenn aufgrund gefährlicher Turbulenzen auf den Währungsmärkten Interventionen erforderlich werden. Die Gold-Initiative bezweckt – das wissen ehrliche Beobachter – in keinster Art und Weise, der Nationalbank ihre Interventionsfähigkeit zu rauben. Im Gegenteil: Sie will der Nationalbank-Bilanz ein derart starkes, werthaltiges Fundament sichern, dass Interventionen, wenn sie denn nötig werden, um so höhere Glaubwürdigkeit geniessen. Davon würde die Nationalbank massiv profitieren.

Ohne Gewinne?

Durchsichtig ist auch das künstliche Lamento, Goldreserven würden «keine Gewinne» abwerfen. Tatsache dazu ist: Es ist nicht die Aufgabe der Nationalbank, Gewinne zu erzielen. Aufgabe der Nationalbank ist es, dem Schweizer Franken ein derart solides, vertrauenswürdiges Fundament zu sichern, dass die Schweizer Wirtschaft ihre Aktivitäten auf der Grundlage eines gesicherten und stabilen Frankens weltweit erfolgreich entfalten kann. Diese wirtschaftliche Tätigkeit soll Gewinne abwerfen und Wirtschaftswachstum ermöglichen. Die Goldreserven sind indessen nicht dazu da, jenen, die mit dem Gold spekulieren wollen, Gewinne in die Tasche zu spülen.

Es sind bezeichnenderweise die kantonalen Finanzdirektoren, die Krokodilstränen darüber vergiessen, dass höhere Goldreserven angeblich weniger Gewinne abwerfen würden. Gewiss: Die Kantone wussten sich Gewinne der Nationalbank in der Vergangenheit zuzuleiten. Sie verschweigen dabei allerdings, dass diese Nationalbank-Gewinne – Tatsache geworden oft allein durch steigende Goldpreise – nicht selten aus reinen Buchgewinnen bestanden. Für die Gewinnausschüttung an die Kantone mussten danach zusätzliche Goldreserven – insgesamt 240 Tonnen – verkauft werden. Wertvolles Volksvermögen musste auf diese Weise zugunsten der Kantone vernichtet werden, auf dass diese ihre mangelnde Finanzdisziplin tarnen konnten.

Ursprünglich rechtfertigen die Kantone ihren Goldhunger gegenüber der Nationalbank übrigens mit ihren Absichten, mit diesem «goldenen Segen» Schulden tilgen zu wollen. Ein Versprechen, das von einzelnen Kantonen bereits im ersten Jahr, da ihnen Nationalbank-Manna zufiel, gebrochen wurde. Heute werden diese Gewinn-Abschöpfungen wie normale Einnahmen verbucht. Sie gestatten den Kantonen etwelchen Luxus, den ihnen die Steuerzahler nie gewährt haben. Schuldenwirtschaft ist das Resultat, ausgehend von den viel zu aufgeblähten Bürokratie-Apparaten in (zu) vielen Kantonen.

Über die Köpfe der Bevölkerung hinweg

Vor gut zehn Jahren wurden sechzig Prozent (1550 von zuvor 2590 Tonnen) Goldreserven unter US-Erpressungsdruck überstürzt zu schlechtest denkbarem Preis verkauft. Gemessen am heutigen Goldpreis wurde mit diesen kopflosen Verkäufen Volksvermögen in der Höhe von sechzig Milliarden Franken schlicht und einfach vernichtet. Weder das Parlament noch die Bevölkerung konnten eingreifen. Die unsinnigen Verkäufe erfolgten über die Köpfe der Öffentlichkeit hinweg.

Genau deshalb, damit solch eklatante Fehlleistung nie wieder Tatsache werden kann, gehört das Verkaufsverbot für Nationalbank-Gold in die Verfassung. Damit ist garantiert, dass nie mehr Goldreserven über die Köpfe von Volk und Parlament hinweg verhökert werden können.

Wollte man auf der neuen, von der Gold-Initiative herbeigeführten Verfassungsgrundlage Goldverkäufe dennoch tätigen, wäre eine Verfassungsänderung mit obligatorischer Volksabstimmung nötig. Nur mit Zustimmung von Volk und Ständen könnten Goldverkäufe noch realisiert werden.

Diese Bremse muss angesichts der kopflosen, schädlichen Verkaufsaktionen vor gut zehn Jahren unbedingt in der Verfassung verankert werden.

Goldstück

 

Der Newsletter «Goldstück» wird herausgegeben vom Komitee «Ja zur Goldinitiative – Rettet unser Schweizer Gold», Postfach 23, 8416 Flaach

www.goldinitiative.chinfo@gesunde-waehrung.ch

 

Autor der heutigen Ausgabe:
alt Nationalrat Ulrich Schlüer

 

Symbolbild von Rike / pixelio.de

 

13.11.2014 | 4074 Aufrufe