Der Tages-Anzeiger präsentiert das Rezept:

Der Leiter der Bundeshaus-Redaktion des Tages-Anzeigers, Fabian Renz, wartet mit dem finalen Rezept auf, wie aus der der SVP am 28. Februar beigebrachten Niederlage der Todesstoss gegen diese missliebige Partei geführt werden kann.

Der Freitags-Kommentar vom 4. März 2016,
von Ulrich Schlüer, Verlagsleiter «Schweizerzeit»

Ausländerkriminalität – das der Ausgangspunkt von Renzens Strategie – gebe es als solche real eigentlich nicht. Denn in den Städten, wo die (nach Renz eigentlich gar nicht existierende) Ausländerkriminalität bezüglich registrierbarer Taten am meisten Spuren hinterlasse, habe die SVP am schlechtesten abgeschnitten. Das beweise, dass Forderungen nach konsequenteren Massnahmen gegen die überhand nehmende Ausländerkriminalität eigentlich im luftleeren Raum stünden. Sie glichen – meint Renz – der Forderung irgend eines kleinen Gebirgsnests nach einem Leuchtturm, der am Bergbach aufzustellen sei, auf dass niemals ein die Weltmeere kreuzender Supertanker mit einem Haus des Bergdorfes kollidiere (Tages-Anzeiger, 3. März 2016). Die Forderungen der SVP zur Ausländerkriminalität seien so irrational, wie solche Forderung aus einem Gebirgsdorf irrational wäre.

Nur irrationale Aufbauschung

Der hohe Anteil ausländischer Insassen in Gefängnissen sei, behauptet Renz, so irrational, als würde man behaupten, weil die meisten dort Inhaftierten Männer seien, seien alle Männer kriminell (Um bei der Wahrheit zu bleiben: Genau so sagt es Renz zwar nicht, aber dass er «die Männer» zum Vergleich mit «den Ausländern» im Rahmen seiner kruden Beweisführung herangezogen hat, lässt beim Konsumenten seiner wirren Gedankengänge vermuten, dass er den Vergleich so wie hier dargestellt gemeint haben könnte).

Interessant auch: Die gleiche Zeitung hat im Chor mit fast allen anderen Medien des Landes im Vorfeld der Abstimmung unablässig behauptet, die von der Statistik präsentierten, von der SVP wiederholt zitierten Zahlen zur Ausländerkriminalität seien schon deshalb lückenhaft, weil ein Grossteil der ausländischen Kriminellen – die Kriminaltouristen nämlich – gar nicht erwischt werden könnten. Wenn das – woran wir gar nicht zweifeln – stimmt, dann ist daraus allerdings abzuleiten, dass der Anteil von Ausländern an den Gefängnisinsassen (heute rund drei Viertel), wenn man auch die Kriminaltouristen einfangen könnte, noch viel grösser wäre als er heute, ohne Kriminaltouristen bereits ist. Eine Tatsache, die höchstens zum Ausdruck bringt, wie wandelbar Beweisführungen von Medienschaffenden sind, wenn ihnen Manipulation der Öffentlichkeit wichtiger ist als an Tatsachen orientierte Berichterstattung.

Doch zurück zu Renzens Strategie: Sein Rezept zur Ausmerzung der SVP beruht darauf, dass Medien über Verbrechen zwar noch berichten sollen – aber nur so, dass ein Täter nie als von ausländischer Herkunft erkannt werden könne. Dann könne man um so leichter behaupten, dass Ausländerkriminalität etwas rein Irrationales sei.

Anwendungsbeispiel

Interessanterweise wird in der gleichen Ausgabe des Tages-Anzeigers über ein Verbrechen berichtet, das für das Opfer beinahe tödlich geendet hätte: Ein Ehemann hat, bewaffnet mit einem Messer, seiner Frau aufgelauert. Ein Messerstich in den Hals – Renz möchte ihn vielleicht zu einem «leichten Kratzen in der Halsgegend» abtempieren – hat die Frau schwerstens verletzt. Wäre ihr nicht sofort Erste Hilfe zuteil geworden, so wäre sie – so geht aus dem «nach alten Regeln verfassten» Bericht hervor – wahrscheinlich verblutet.

Weil Opfer und Täter dort, wo die Messerattacke stattgefunden hat, offenbar nicht unbekannt sind, musste im Bericht eingeräumt werden, dass Täter und Opfer zwar je einen Schweizer Pass besässen, indessen irakischer Herkunft seien. Fakten, die – sollte sich Renz in der Tages-Anzeiger-Redaktion durchsetzen – fortan für Schreiberlinge tabu sein müssten.

Zugefügt wurde übrigens, dass zum Messerstecher, als er vor einigen Monaten eingebürgert wurde, nichts Negatives bekannt gewesen sei. Dass Gemeinden, wenn sie über Einbürgerungen entscheiden, Straftaten «aus Datenschutz-Gründen», ganz nach Renzens Strategie zumeist gar nicht erfahren, hat der Autor des Berichts allerdings für sich behalten.

Die Frau konnte sich – offenbar stark blutend – noch in eine Institution flüchten, die Moschee heisst. Auch solche Einzelheit darf, folgt man der Strategie-Anweisung von Fabian Renz auf seinem Feldzug gegen die SVP, fortan gewiss nicht mehr veröffentlicht werden. Leser könnten daraus sonst auf die Idee kommen, dass die Täterschaft aus fremdem Kulturkreis stammt und ausländischer Herkunft ist – was bezüglich des beschriebenen Verbrechens ja auch stimmt, nach Renz aber der Öffentlichkeit vorenthalten werden müsste.

Wie würde ein Bericht über diese Tat also nach Renzens Vorgabe aussehen? Müsste es heissen, die verletzte Frau sei vor dem Messerstecher in «ein Gebäude» – vielleicht auch in «einen Andachtsraum» – geflüchtet? Ist Renz sicher, dass damit nicht einmal mehr ein SVP-Wähler auf den Gedanken kommen könnte, im Täter einen Ausländer zu vermuten?

Spurenverwischung

Dass das Opfer überlebt hat, hat gemäss Berichterstattung auch damit zu tun, dass die Ambulanz vorbildlich schnell – sie wird dafür ausdrücklich gelobt – am Tatort eingetroffen sei, so dass der stark blutenden Frau die dringendst benötigte fachmännische Hilfe ohne Verzug und offensichtlich lebensrettend vermittelt werden konnte. Dies wurde Tatsache, weil die Ambulanz unmittelbar vor der Moschee geparkt hat. Passanten, Zeugen des Geschehens haben das selbstverständlich gesehen. Müssten Ambulanzen nach Renzens SVP-Niederstreckungs-Strategie künftig angewiesen werden, in so grosser Entfernung von einer möglicherweise ausländische Täternationalität verratenden Einrichtung wie einer Moschee zu parkieren, dass niemand auf die Idee kommen könnte, die Ambulanz befinde sich in einem Rettungseinsatz zu einem von Zuzügern verursachten Ereignis?

Renzens Forderung, jeglichen Ausländerbezug von Straftaten ins Reich des Irrationalen abzudrängen, würde solche mediale Behandlung eines Tatsache gewordenen Ereignisses mit Bezug zu Ausländern eigentlich erfordern. Dann wären die Sanitäter im konkreten Fall allerdings wohl zu spät am Tatort eingetroffen. Die Frau wäre wohl verblutet.

Kollateralschaden?

Für Renz ein vielleicht nicht weiter ins Gewicht fallender Kollateralschaden, der im Rahmen eines ideologisch motivierten Vernichtungsfeldzugs gegen die SVP eben in Kauf zu nehmen sei?

Interessant, welchen Einblick der Leser da in die Gedankenwelt eines Journalisten erhält, der sich auf dem Kriegszug gegen die SVP wähnt. An Tatsachen orientierte Berichterstattung hat in solchem Zusammenhang ideologisch motiviertem Kalkül zu weichen, auf dass Fakten ins Reich irrationaler Aufklärung abgedrängt werden können.

Ob der seine Leser so masslos unterschätzende Herr Renz noch nie auf die Idee gekommen ist, dass seine Strategie tatsächlich einen Aderlass auslösen könnte – nicht weit weniger bei den Mitgliedern der SVP, viel einschneidender dafür im Abonnentenstamm des Tages-Anzeigers?