An den Eltern vorbei 

Von Sylvia Flückiger-Bäni, Nationalrätin, Schöftland AG

Das Bundesamt für Gesundheit, stets besorgt und bemüht um unser gesundheitliches Wohlergehen, nicht müde werdend, sich neue Aufgabenfelder zuzuschanzen mit immer fraglicheren Ideen, hat sich ein neues Betätigungsfeld erschlossen: Die Sexualerziehung an unseren Schulen.

Im Rahmen der Volksschul-Zentralisierung HarmoS soll massiv ausgebaute Sexualerziehung möglichst an Eltern und Behörden vorbei als neues Schulfach in die Lehrpläne eingeschmuggelt werden.

Unter dem Titel «Moderne Sexualpädagogik» soll bereits ab Kindergarten, ab 4. Altersjahr (!) damit begonnen werden. Die Eltern sollen von der Sexualerziehung ausgeschlossen werden. Die Privatsphäre der Familien wird missachtet.

Beziehung ist für jedes Kind lebenswichtig. Ohne von Vertrauen geprägte Beziehungen kann sich ein Kind nicht optimal entwickeln – weder in der Familie noch in der Schule. Ein Kind muss sich geborgen fühlen – in den ersten Lebensjahren bei seinen Eitern, später auch bei seiner Lehrerin. Ob sie es will oder nicht: Die Lehrerin ist für jedes Kind eine Bezugsperson. Deshalb darf sich die Lehrerin nicht nur fachlich mit dem Kind befassen. Sie hat auch emotional auf das Kind einzugehen. Sie muss es als einmalige Persönlichkeit akzeptieren. Der Unterricht mit Kindern steht im Vordergrund – die Lehrerin vermittelt nicht nur Fächer und Stoff.

Das Vorhaben
Bei allem verständlichen Willen, dem Kind einen erfolgreichen Start ins Leben zu ermöglichen, kann eine Prise Demut kaum schaden. Das Kind gehört nicht der Gesellschaft, nicht der Schule und auch nicht den Eltern. Es gehört sich selbst. Es ist nicht zur Welt gekommen, um die Erwartungen der Erwachsenen zu erfüllen, sondern um zu jener Persönlichkeit heranzuwachsen, die in ihm angelegt ist. Dies zu ermöglichen liegt primär in der Verantwortung der Eltern, aber auch in der Verantwortlichkeit der Lehrer.

Auf der Webseite der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz lesen wir: Sexualerziehung soll integrierender Bestandteil der Elementarerziehung sein; Kinder seien von Geburt an sexuelle Wesen mit sexuellen Bedürfnissen, Wünschen, Handlungen und daraus resultierenden Erfahrungen. Ihre Sexualität sei qualitativ verschieden  von der Sexualität Erwachsener.

Daraus wird eine Sexualerziehung abgeleitet, die jungen Menschen grundlegendes Wissen, aber auch Fähigkeiten und Fertigkeiten in sexuellen Belangen zu vermitteln habe, damit sie ihre Sexualität physisch, psychisch und emotional erfahren könnten. Sexualerziehung soll also Information vermitteln, woraus jedes Kind dann positive Einstellungen und Werte entwickeln könne.

Oberflächliche Maxime
Im Zusammenhang mit – als Tatsache vorausgesetztem – Pornokonsum soll der Jugendliche befähigt werden, «konstruktiv» mit an Medien und im Internet Dargebotenem, das weder ethische noch moralische Normen beachte, umzugehen.

Dass solcher «Konsum» Jugendliche überfordert, dass er die Beziehungen zum andern wie zum eigenen Geschlecht nur allzu leicht schwerwiegend beeinträchtigen kann, glaubt man mit solchem, vom Bundesamt für Gesundheit gefördertem Unterricht auffangen zu können.

Sexualität wird dabei reduziert auf ein «Recht auf Lust und deren Befriedigung». Wertvorstellungen werden nebensächlich. Verantwortung, Mitmenschlichkeit, Treue bleiben ausgeklammert. «Lebe, geniesse und nimm dir, was du brauchst!» wird zur oberflächlichen Maxime.

Im Rahmen derart amtlich verordneter sexueller Aufklärung sind auch Schulbesuche von Lesben und Schwulen geplant. Erklärtes Ziel ist es, bereits Dreizehnjährigen persönliche Begegnungen mit Menschen mit homosexuellen Neigungen zu verschaffen. Die «Freiheit der geschlechtlichen Orientierung» wird Lehrplan-Stoff.

Für Jugendliche ab Sekundarschulstufe wurde das Jugend-Theaterprojekt «Coming out» geschaffen. Thema: «Gleichgeschlechtliche Liebe». Amtlich verordnete Sexualpädagogik soll «folgerichtig und konsequenterweise» nicht mehr dem Religionsunterricht angegliedert werden – Sexualität wird als rein menschliches Bedürfnis erklärt, losgelöst von moralischen Werten. Nur Gesundheitsprävention sei noch vorzusehen.

Eltern ausgeschaltet
Ein Vorfall aus Deutschland zu gleichartigem Vorgehen müsste aufhorchen lassen:

In Salzkotten (Deutschland) entbrannte ein heftiger Rechtsstreit, weil Eltern ihre Kinder nicht in den Sexualkunde-Unterricht zu schicken bereit waren, da sie jegliche Frühsexualisierung ihrer Kinder vermeiden wollten. Ihre Kinder sollten weder mit pornografischen noch anderen sexuell freizügigen Inhalten konfrontiert werden. Den «renitenten Eltern» wurden mehrere Bussen aufgebrummt – zuletzt 1’000 Euro. Mit der Androhung, dass bei weiterer Renitenz bis zu vierzig Tage Gefängnis zu erwarten seien…

Bedenkliche Entwicklung
Pornographie auf unserem Bildschirm und im Internet weckt bei vielen Ohnmacht aus. Einige tarnen ihre Ohnmacht als Toleranz. Die Krise der Gesellschaft ist – auch hoher Scheidungsraten – nicht zu übersehen. Auch die angesichts sich häufenden kriminellen Handlungen in der Altersgruppe der Zehn- bis Fünfzehnjährigen müssten alarmieren. Selbst Vergewaltiger gehören teilweise bereits dieser Altergruppe an.

Führt «moderne Aufklärung» dazu nicht in die Irre? Ernten wir bereits die ersten Früchte einer dramatischen Angriffswelle auf unsere moralischen Werte?

In der Schul- und Bildungsdebatte haben in den letzten Jahrzehnten vor allem Funktionäre und linke Politiker das grosse Wort geführt – neuerdings flankiert vom Bundesamt für Gesundheit. Eltern und Lehrer wurden übergangen. Von den Hauptpersonen, den Kindern und Jugendlichen, ist kaum die Rede. Sie scheinen bei aller Experimentierlust der Funktionäre nicht gefragt zu sein.

Was uns vom Bundesamt für Gesundheit als «Sexualerziehung» präsentiert wird, schädigt die Entwicklung der Kinder und tritt die Erziehungshoheit der Eltern mit Füssen. Nachdem die sog. «antiautoritäre Erziehung» in den letzten Jahrzehnten bloss Schaden angerichtet hat, erfolgt ein neuer, unakzeptabler Angriff auf die Familie.

Das Recht der Kinder auf Intimität darf nicht zum Spielball ideologisch motivierter Projektleiter werden. Unsere Kinder sind uns zu wertvoll, als dass sie Funktionären als Experimentierobjekte überlassen werden dürfen.

Sylvia Flückiger-Bäni

12.01.2011 | 2038 Aufrufe