(Kantonale Volksinitiative JA zur Mundart im Kindergarten)

Die am 15. Mai zur Abstimmung gelangende kantonale Volksinitiative will in den ersten zwei Jahren der Kindergartenstufe grundsätzlich die Mundart als Unterrichtssprache und ab dem dritten Jahr die sogenannte Standardsprache. Sprachforschung und logopädische Praxis zeigen, dass der Erstspracherwerb entscheidend für den Erwerb weiterer Sprachen ist. Wer die Erstsprache nicht beherrscht, wird auch in der Zweit- und Drittsprache Probleme haben.

Im Gegensatz zu unseren Nachbarländern, ist die Mundart in der Schweiz Erst- und Alltagssprache. Mit ihr erfolgt der Zugang zu unserer direktdemokratischen Kultur. Sie wirkt für den Zusammenhalt unserer pluralistischen Gesellschaft integrierend und präventiv gegen die Bildung einer Zweiklassengesellschaft.

Da die Mundart im Elternhaus gelernt und nur in der Kindergartenstufe unterrichtet wird, sind all diejenigen Kinder benachteiligt, die im Elternhaus gar nicht, falsch oder ungenügend Mundart lernen. Diese Kinder müssen dann in der Logopädie mühsam ihre Defizite in der Erst- und Zweitsprache korrigieren, sind unter Umständen während ihrer ganzen Schulzeit und in der späteren Berufskarriere beeinträchtigt und es fällt ihnen schwerer, sich in unsere Kultur zu integrieren.

Der Unterricht der Mundart im Kindergarten hat deshalb eine breite präventive Wirkung auf diverse Jugendprobleme, die oft mit ungenügender Schulbildung zusammenhängen, wie nicht vermittelbare Schulabgänger, Gewalt, Drogenkonsum, Arbeitslosigkeit usw.

P. Aebersold, Mitglied Schulkommission für Sonderschulen und Therapien der Stadt Zürich

26.04.2011 | 1125 Aufrufe