Wenn Medienleute auf Blochers Niederlage spekulieren

"Spalte rechts"
Kommentar des Chefredaktors

Wer den Aufmarsch der siegesgewissen Hundertschaft an Medienleuten zur SVP-Delegiertenversammlung von Balsthal nicht miterleben konnte, dem blieb eine staatsbürgerliche Lektion vorenthalten. Zu Aberdutzenden drängten sie sich in den Saal. An den Diskussionen zu den Abstimmungsvorlagen zeigten sie sich demonstrativ desinteressiert. Scharf waren sie einzig darauf, die ersten Bilder, die ersten Wortfetzen des – nach ihrer Erwartung – geschlagenen und enttäuschten Blocher nach der für ihn erwarteten Niederlage zu erhaschen. Für diesen «Primeur des Jahrzehnts» hätten sie alles gegeben.

Dann aber kam es anders. Schon im Rededuell wurde deutlich: Blocher, erfahrener und überaus erfolgreicher Unternehmer, beherrschte die Materie, trug sie überaus packend, anschaulich und träf vor – in Rede wie in Gegenrede. So dass den sechshundert Zuhörern klar wurde: Es geht nicht bloss um Abrechnung mit Geldgierigen, es geht auch um die Zukunftschancen wichtiger, keineswegs der Abzockerei verfallener, bis heute erfolgreicher mittelgrosser Schweizer Unternehmen mit guten Namen.

Und dann fiel Blochers Sieg nicht einmal knapp aus. Tiefer Frust, abzulesen von hundert Gesichtern um den Sieg geprellter Medienleute – nachdem die Inszenierung, auf Blochers Waterloo zielend, vermeintlich so perfekt vorbereitet war: Eine auf diesen Tag präparierte Meinungsumfrage vermeldete über alle Kanäle und Spalten Blochers Chancenlosigkeit. Zeitungs-Schlagzeilen auf den Tischen sämtlicher Delegierter feierten Minder bereits als «besseren Blocher». Doch die wohlpräparierte Kampagne prallte ab an Format und Argumentation Blochers. Die als vermeintliche Sieger aufmarschierten Sensationsjäger hatten, geprügelten Hunden gleich, abzuzotteln. Ihr Frust fand seinen Niederschlag in den aus dem Anlass resultierenden 20-Zeilen-Meldungen – nachdem für den Fall der Niederlage Blochers bereits Doppelseiten reserviert worden waren.

Eines wussten sie, die Spekulanten auf Blochers Niederlage: In Balsthal wurde auch ein Kapitel Europa-Politik geschrieben. Blochers Entlarvung bundesrätlichen Geheim-Techtelmechtels mit Brüssel, vorgetragen in seiner Albisgüetli-Rede, wäre, hätte er tatsächlich eine Niederlage erlitten, hundertfach verhöhnter Lächerlichkeit preisgegeben worden.

Aber die Ausverkäufer der Schweiz haben in Balsthal die erste Runde deutlich verloren.

Ulrich Schlüer

 

31.01.2013 | 1761 Aufrufe