Bürgerliche Überzeugungen in der Defensive

Die Resultate der letzten drei kantonalen Wahlen lassen keine Zweifel offen: «Grün» ist im Trend und diese Tatsache lässt leider nichts Gutes für die Parlamentswahlen am 20.Oktober dieses Jahres erwarten.

Kommentar vom 12. April 2019

von Andreas Glarner, Nationalrat, Oberwil-Lieli

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Doch wie konnte es soweit kommen? Spielt nebst den Medien jetzt wirklich auch noch die ganze Schweiz verrückt? Reichen denn wirklich ein warmer Sommer und eine schwedische Göre, dass die Wähler nach links kippen? Braucht es wirklich nicht mehr als ein paar Demotafeln, auf welchen FDP als Abkürzung für «Fuck de Planet» bezeichnet wird, dass eine, nein die ursprünglich staatstragende Partei der Schweiz einfach so nach links wegkippt?

 

Von Petra zu Greta?

Welche Werte hat der Freisinn noch, welches Fundament hat er noch, wenn die Rennleitung wegen ein paar dummen Sprüchen auf Tafeln an einer inszenierten Schülerdemo einfach kippt und die eigenen Wähler und Werte verleugnet und verrät? Okay, die gute Petra Gössi musste nie eine gegen sie gerichtete Medienkampagne, geschweige das Stahlbad des Medienhasses überstehen. Petra Gössi war und ist seit ihrer Zeit als Kantonsrätin immer das gehätschelte Liebkind der Medien. Da ist es natürlich schon fast verständlich, dass sie beim ersten Gegenwind kippt und den Freisinn zum Schwachsinn führen will…

Ist man sich beim Freisinn denn überhaupt noch bewusst, auf welchem Fundament man fusst? Welche Bedeutung die Begründer des Freisinns für unser Land hatten? Wir sehnen uns nach den Spältis, Bremis, Mühlemanns und sogar Bührers zurück, welche dank unternehmerischem Flair, Weitblick und echten Überzeugungen auch längere Stürme unbeschadet überstanden und die Fahne des Freisinns auch bei ungünstigem Wetter hochhielten.

 

Demo für die Umwelt?

Die wichtigste Frage ist nun: Reicht die Zeit bis zum Herbst, um den Bürgerinnen und Bürgern beizubringen, dass «Grün» rot ist? Dass wer Grüne und Grünliberale und unechte Bürgerliche wählt, die übelsten Rezepte aus der sozialistischen Mottenkiste bekommt? Ist man sich bewusst, was Grüne und auch Grünliberale schon alles gefordert haben und welchen Auftrieb bei einer Stärkung des linksgrünen Lagers die völlig verantwortungslose Politik der SP bekäme?

Einen leichten Vorgeschmack bekam man an der Demonstration vom letzten Samstag. Da liefen Personen mit, welche sonst eher am 1. Mai auf Zürichs Strassen und wohl auch auf den Sozialämtern entweder als Bittsteller oder als Angestellte anzutreffen sind. Flugblätter mit übelsten klassenkämpferischen Parolen wurden verteilt und natürlich wurde auch eine UBS-Filiale verschmiert – klar, wenn mal schon mal da ist…

Man stelle sich vor, an einer von der SVP organisierten Demo wäre auch nur ein einziger Glatzköpfiger in Sichtnähe des Demonstrationszuges gesichtet worden oder es wäre ein Flugblatt mit etwas undifferenziertem Inhalt aufgetaucht – die Sonntagsmedien hätten ihre grössten Buchstaben hervorgeholt und sich in der Hatz auf die SVP gegenseitig überboten und sofort Schuldige gesucht, die man zum Rücktritt hätte auffordern können. Es wäre eine Medienhatz losgegangen und man hätte willkürlich ausgesuchte SVP-Politiker medial vor sich hergetrieben, bis diese infolge des öffentlich erzeugten Drucks nachgegeben hätten und zurückgetreten wären.

So aber wurde die Demonstration gelobt und gewürdigt – ja man fand sogar lobende Worte für die Reinigungstrupps, welche die riesigen Abfallmengen als Hinterlassenschaft der ach so umweltbewusst agierenden Klimahysteriker diskret entfernen und entsorgen mussten.

 

Verheerende Politik von «Linksgrün» 

Aber kommen wir zurück zu den grünen Träumen. Da sind natürlich Fahrverbote, Tempo-30-Zonen auf Hauptstrassen usw. nur Vorboten eines totalen Verbots der individuellen Mobilität. Den wenigsten Grünen geht es wirklich um unsere Umwelt – sie wollen vielmehr unsere Mobilität und somit unsere Wirtschaft lahmlegen. Ebenso verhält es sich mit den Grünliberalen, welche sich aufgrund des Wortes «Grün» in der Parteibezeichnung ebenfalls eines Aufschwungs erfreuen dürfen. Meines Erachtens gibt es nur einen echten «Grünliberalen» – nämlich deren Erfinder, Nationalrat Martin Bäumle. Ansonsten stimmen die Vertreter der GLP praktisch unisono mit den Roten…

Wie inkonsequent grün-rote Politik ist, zeigt sich an kleinen Beispielen: Wussten Sie, dass mit der EU-Verordnung 666/2013 Staubsauger seit dem 1. September 2014 nur noch eine Wirkleistungsaufnahme von maximal 1600 Watt und seit dem 1. September 2017 von nur noch 900 Watt haben dürfen? Dies, weil man die «umweltgerechte Gestaltung netzbetriebener Staubsauger» erreichen will. Dies geschieht im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie. Ziel der Verordnung ist es, den Energiebedarf der Staubsauger zu verringern. Gleichzeitig werden Dieselautos verboten und dafür Elektroautos gefördert, welche zum Laden extreme Leistungen benötigen. So braucht zum Beispiel das Modell 3 der Marke Tesla rund 16‘500 Watt Ladestrom…

 

Es ist fünf vor zwölf

Mir graut vor den Ergebnissen des Herbstes – vor allem aber vor den Folgen einer vierjährigen rotgrünen Politik. Denn eines ist von vornherein klar: Wenn das rotgrüne Lager gewinnt, wird dieses mit gütiger Unterstützung der katholischen SP (etikettiert als CVP) und den üblichen Abweichlern des Freisinns eine knallharte Politik gegen alle Errungenschaften bürgerlicher Politik durchsetzen. Und natürlich würden ganz nebenbei die Rechte des Volkes für ein Butterbrot an die EU verkauft.

Das zu erwartende Powerplay wäre ganz im Gegenteil zur angeblich bürgerlich dominierten Politik der vergangenen Legislatur, welche zwar im Nationalrat mit einer theoretischen Mehrheit von 101 Sitzen «dank» vielen abtrünnigen Freisinnigen und den praktisch immer mit den Roten paktierenden CVP-lern leider nie zum Tragen kam – das Momentum wurde schlicht nicht genutzt.

Es bleibt die wichtigste Aufgabe bis zum Herbst, den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes die möglichen Folgen aufzuzeigen und dafür zu sorgen, dass diese verheerende Politik keine Unterstützung findet. Es fünf vor zwölf – wagen und führen wir den Kampf, auch wenn es unpopulär ist – zum Wohle der Schweiz!

 

Andreas Glarner

12.04.2019 | 1575 Aufrufe