Keine Alternative zum «Sondersetting»?

Noch einmal ruft das Fernsehen die exorbitant teuren Massnahmen des «Sondersettings» für den Strafgefangenen Carlos in Erinnerung – Massnahmen zugunsten eines Messerstechers, die aus heutiger Sicht «alternativlos» seien.

Der aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 3. Oktober 2014,
von Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit»

Carlos in der Thaibox-Schule; Carlos in der aus Steuergeldern bezahlten komfortablen Vierzimmer-Wohnung, die ihm die Zuchthausstrafe angenehm machen soll; Carlos in der Einzelbetreuung bei seiner 24-Stunden-Begleierin: Noch einmal wird demonstriert, wie ein einzelner Gewalttäter, der beinahe einen Menschen auf dem Gewissen hat, im Rahmen «modernen Strafvollzugs» gehätschelt und gehegt wird. Für neunundzwanzigtausend Franken pro Monat.

Besserung?

Noch einmal kommt auch das Opfer zu Wort – der junge Mann, der die brutale, offensichtlich grundlose Messer-Attacke von Carlos nur knapp überlebt hat – lebenslange Einschränkung, lebenslange Schmerzen seither mit sich herumtragend. Er ist voll des Unverständnisses für die Luxus-Hege auf Kosten des Steuerzahlers, die dem Beinahe-Mörder 24 Stunden pro Tag zuteil wird.

Und andere Sondersetting-Geniesser kommen zu Wort: Wie ihnen die luxuriöse Betreuung, unterstrichen durch wohlgesetzte Worte äussernde Betreuerinnen und Betreuer, zu Überlegungen verhelfe, dass ihre Tat, für die sie sitzen müssten, unbedacht und ungerechtfertigt war. Und wie sie dank des guten Zuredens in wohliger Atmosphäre zu «neuen Menschen» geworden seien. Die gewiss nie mehr brutalen Gewalt-Exzessen verfallen würden.

Rückfall-Verhinderung?

Bis dann einem die Freundin davonläuft, was sofort wieder mit massiver Gewalt-Eruption abreagiert wird, so dass er nach wenigen Tagen im Sondersetting nicht mehr zu halten ist. Doch trotzdem: Die «Sachverständigen» des Strafvollzugs, welche den Zuschauern via Bildschirm die Köpfe voll schwatzen, erklärten den für die Gewalttäter angeordneten Luxus als «alternativlos», weil allein dieser Luxus den Täter vor Rückfälligkeit bewahre. Und das, was den Strafvollzug so masslos verteure, gehe aus von rückfälligen Tätern.

Ausgeklammert wurden interessanterweise die grossen Probleme, die Luxus-Häftling Carlos heute, nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug, seiner Umwelt – vielleicht sogar auch seinen ehemaligen Luxus-Betreuern – bereitet. Die Thaibox-Trainingskameraden haben jedenfalls Angst vor Carlos, der sich im Training offenbar regelmässig seine Gewalt-Fantasien – die Totschlag mitumfassen – wortgewaltig aus dem Leib schreit. Und der offenbar laufend ausnehmend aggressive Botschaften – bis hin zu unverblümten Tötungs-Androhungen – über sein Handy in seine Umwelt verbreitet. Und der des öftern krude Gewaltaufrufe isalmistischer Gewalttäter zu verbreiten hilft…

Von der im Sondersetting angelernten Sanftmut scheint bei Carlos jedenfalls nichts haften geblieben zu sein.

Angst um gut bezahlte Pfründen?

Ist das Sondersetting – wie die Heerscharen von Betreuungsfunktionären unisono behaupten – wirklich «alternativlos»? Oder bangen diese Betreuungsfunktionäre – die sich als «ausgewiesenen Spezialisten» ihre «Spezialkenntnisse und -fähigkeiten» selbstverständlich weit über dem Durchschnitt gewöhnlicher Funktionärslöhne bezahlen – ganz einfach um die Betreuungs-Goldgrube, aus der sie sich in den letzten Jahren so reichlich auf Kosten der Steuerzahler bedienen konnten?

Festzuhalten ist jedenfalls: Selbstverständlich gibt es Alternativen zu den sündenteuren Hätschel-Sondersettings. Alternativen, die der Gewalttäter tatsächlich als Strafe empfindet und die zweitens die öffentliche Hand nicht skrupellos ausnehmen.

Straff geführte Arbeitseinsätze

Man kann durchaus zugestehen, dass das Abhocken einer Strafe in einem Gefängnis nicht die für Jugendliche geeignete Bestrafung ist. Dennoch gibt es Alternativen zum Luxus-Sondersetting: Beispielsweise straff geführte Arbeitseinsätze. Nicht unmenschliche, aber doch anstrengende körperliche Arbeit unter straffer Aufsicht. Arbeit, die auch Wiedergutmachung von angerichtetem Unheil und Schaden beinhalten würde.

Nicht nur den angerichteten Schaden, den er verursacht hat, müsste ein solcher Straftäter abverdienen. Auch die Genugtuungs-Leistung an sein Opfer müsste er auf diese Weise erarbeiten. Nicht dass, wie für den angeblich mittellosen Carlos, die Opferhilfe mit Steuergeldern einspringen muss. Der Täter würde dabei erfahren, was er angerichtet hat.

Zumindest die Betreuungs-Heerscharen für das Sondersetting – deren Tätigkeit weit eher teurer Selbstbefriedigung als sichtbarem Nutzen dient – könnte mit solchem Strafvollzug für Jugendliche eingespart werden. Die Kosten würden sich damit auf einen Bruchteil der Aufwendungen für das Sondersetting senken – das jedenfalls im «Fall Carlos» kaum jene Früchte trägt, die man den Steuerzahlern damit versprochen hat.

Ulrich Schlüer

 

Symbolbild von CFalk / pixelio.de

 

03.10.2014 | 3768 Aufrufe