Der Schweizer Bevölkerungsanteil der am meisten unter der Personenfreizügigkeit leidet, sind unsere, geschätzten Mitbürger und Arbeitskolleginnen und -kollegen aus Portugal, der Türkei, dem Kosovo, Albanien, Serbien, Bosnien usw. All jene, die schon lange vor der Personenfreizügigkeit erfolgreich in der Schweiz gelebt und gearbeitet haben.

Jeder einzelne, mit dem ich geredet habe, ist vehement gegen die Personenfreizügigkeit, denn früher, so sagen sie, ging es ihnen in der Schweiz wesentlich besser. Sie wurden mit Anstand und Respekt behandelt und konnten sogar Schweizer Freunde gewinnen. Seit der Personenfreizügigkeit habe sich das Klima aber extrem gewandelt. Schuld daran sei nicht etwa – man höre und staune – die SVP, sondern (Zitat): «Diese scheiss Personenfreizügigkeit, mit all den landsmännischen Idioten, die mit ihrem unanständigen, respektlosen und gewalttätigem Verhalten alles zur Sau machen, was wir hart und über Jahrzehnte aufgebaut haben…»

Manch einer von ihnen würde rein inhaltlich sogar SVP wählen, wenn da nicht dieser pauschalisierende, fremdenfeindliche Stil wäre. Das sollte wohl von links bis rechts, aber vor allem in den Teppichetagen und im Bundeshaus, massiv zu denken geben. Verursacht hat die destruktive Ausländerpolemik nicht die Strasse, sondern die Elite links und rechts. Nur ausbaden muss es einmal mehr die Strasse. Oder mittelalterlich ausgedrückt: Wenn der Pöbel sich zankt, profitiert Klerus und Adel. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der zunehmende Unmut des Pöbels nicht plötzlich gegen Klerus und Adel wendet. Oder?

Orfeo Giuliani,
Jonen AG

 

14.09.2011 | 1396 Aufrufe