Zürich: Am 25. November zweimal Nein zur Prima-Initiative
Der Kindergarten würde eliminiert

 Von Gabriella Fink, Weisslingen ZH

Am 25. November ist in der Abstimmung im Kanton Zürich ein doppeltes Nein die einzige vernünftige Lösung zur Prima-Initiative. Mit der vorgesehenen Einführung der Grundstufe würde der Kindergarten abgeschafft.

In wenigen Tagen entscheiden die Stimmbürger im Kanton Zürich über die Form der ersten Bildungsstufe. Soll dies wie bis anhin der Kindergarten und danach die 1. Klasse in der Primarschule sein oder die Grundstufe, die Zusammenführung dieser beiden Schulstufen in eine gemischte Schulklasse?

Das überparteiliche Komitee «Grundstufe 2x Nein» und über 80 Prozent der Kindergärtnerinnen sagen aus pädagogischen und finanziellen Gründen Nein zur Prima-Initiative (Grundstufe) und Nein zum Gegenvorschlag.

In den Medien erscheinen zur Zeit zahlreiche einseitig Lobeshymnen über die Grundstufenschulversuche. Die Wahrheit dazu wird allerdings verschwiegen: Die bestehenden Schulmodelle, Kindergarten und 1. Klasse haben sich weiterentwickelt und können die Anliegen der pädagogischen Forderungen, (individueller Unterricht) bestens abdecken.

Der Vergleich und das Fazit

Lernen im Kindergarten (4- bis 6-jährige Kinder in einer Klasse, Unterricht in Mundart): Im Kindergarten wird jedes Kind dort abgeholt wo es steht und individuell in seinem Lernen begleitet. Der Kindergarten kann in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen werden. Der Übertritt von der Familie in den Kindergarten und später in die 1. Primarklasse wird sorgfältig und liebevoll begleitet. Die Alters- und Entwicklungsspanne im Kindergarten ist nicht zu gross (Entwicklungsalter von 3 1/2 bis 6 Jahre). Wenn die Kinder voneinander lernen, sind sie weder über- noch unterfordert. Sie befinden sich alle im gleichen Entwicklungsthema.

Der Unterricht ist ganzheitlich in Geschichten eingebettet und ermöglicht Lernen über alle Sinne. Tagesstrukturen mit wiederholenden Ritualen geben dem Kind Sicherheit. Gemeinschaftsförderung, vielseitige Angebote für den grossen Bewegungsdrang des 4-jährigen Kindes und ein breites, für alle Entwicklungsstufen bereitstehendes Spielangebot, fördert die Kinder im Spiel. Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben werden ebenfalls angeboten. So hat sich der Kindergarten weiterentwickelt. Im Kindergarten arbeitet eine Lehrperson zeitweise unterstützt durch eine schulische Heilpädagogin.

Es wird beim Spielen gelernt. Zudem entsteht kein Leistungsdruck, weil viel Zeit und Ruhe die Grundlage für das erfolgreiche Lernen zwischen 4 bis 6 Jahren darstellen.

Grundstufe ist neue Schulform

Unterricht in der Grundstufe (4- bis 8-jährige Kinder in einer Klasse, Unterricht in Hochdeutsch): Die Grundstufe ist eine neue Schulstufe. Der Lehrplan der ersten Klasse und ein fester Stundenplan bestimmen den Unterricht. Stoff-, Leistungs- und Zeitdruck kommen bereits für die 4-Jährigen dazu. Gruppenwechsel, Unruhe und tägliches Neuorganisieren bringen Unruhe und Hektik. Die Entwicklungsspanne ist viel grösser (3,5 Jahre bis 8 Jahre) Dabei treffen alle Kinder auf Welten, die ihrem Entwicklungsstand nicht entsprechen. Die Kinder müssen sich mit Themen auseinandersetzen, für die sie noch nicht reif sind (Sexualität, Medien, grobe Sprache usw.). Der Unterricht findet mehrheitlich in Schulzimmern von Schulhäusern statt. Die räumliche Enge verhindert ein aktives Bewegungsangebot und vielseitige Spielformen.

Die Kinder der ersten und zweiten Grundstufe haben am Nachmittag keinen Unterricht. Das heisst, sie verfügen über weniger Zeit, um ihre Fähigkeiten zu üben. In der Grundstufe arbeiten am Morgen während 12 Lektionen zwei Lehrpersonen und betreuen die unterschiedlichen Leistungsgruppen. Diese werden separiert in Ecken unterrichtet und arbeiten vorwiegend an Tischen. Zufällige Lerninhalte und ständig wechselnde Themenwahl verwirren die Kinder.

Das Fazit: Hoher Leistungsdruck, Hektik, wenig Spiel, viel Unruhe und Gruppenwechsel erschweren die Konzentration und das Lernen.

Überteuertes Grundstufenmodell

Das Grundstufenmodell kostet mindestens 62 Millionen Franken mehr pro Jahr (mehr Lehrpersonen). Die Kosten für die Weiterbildung der mindestens 2000 Lehrpersonen und die notwendige Infrastruktur, sind kaum zu berechnen. Und dies in einer Zeit wo neue Sparrunden auf uns zukommen. Wie dies finanziert und organisiert werden soll, weiss niemand. Eine weitere Reform, die nicht zu Ende gedacht ist!

Vernichtende Evaluation

Die Ergebnisse der Evaluation sind für die Grundstufe vernichtend! Trotz massiv höherer finanzieller Mittel, höchstmotivierten Lehrpersonen und teurer Infrastrukturen zeigt sie, dass die Kindergartenkinder die Grundstufenkinder im den ersten Primarschuljahren rasant ein- und überholen. Kein Kind aus der Grundstufe ist in der Schule besser!

Die Erklärung ist einfach: Im Kindergarten konnten die Kinder die wichtigen Grundlagen zum Lernen, dem Entwicklungsstand angepasst und fundiert erwerben. Sie waren nicht dauernd überfordert. Sind dafür höchstmotiviert in die 1. Klasse eingetreten und lernen dort leicht. Bessere Grundlagen im Kindergarten führen zu besseren Leistungen in der Schule.

Kinderärzte bestätigen zudem, dass in Orten mit Grundstufenschulversuchen die Therapien zugenommen haben und auch die Ritalinabgabe an die 4-Jährigen öfters gewünscht wird, damit diese eben ruhig sitzen und den Unterricht nicht stören.

Umstrittener Gegenvorschlag

Der Gegenvorschlag verstösst klar gegen die Forderung von Harmos, in einem Kanton einheitliche Strukturen zu schaffen. Zudem können die Schulpflegen alleine über die Einführung der Grundstufe beschliessen. Das Volk würde nicht mehr befragt und hätte nichts mehr zur Einführung zu sagen.

Schlussfolgerungen

  • Die Grundstufe ist eine reine Strukturreform ohne jeden Mehrwert. Sie stellt das ganze Schulsystem auf den Kopf und kostet uns jedes Jahr mindestens zusätzliche 62 Millionen Franken.
  • Mit der Grundstufe und dem Gegenvorschlag wird die Volksschule zur Dauerbaustelle. Ein künftiger Umbau der Mittelstufe und Oberstufe wäre zwingend.
  • Der Volkswille zur Mundart würde missachtet.
  • · Ein unnötiges, nicht finanzierbares Schulexperiment muss endlich abgebrochen werden!

Folgerichtig gibt es, im Kanton Zürich, bei der Abstimmung vom 25. November, nur eine Möglichkeit: Nein zur Prima-Initiative (Grundstufe) und Nein zum Gegenvorschlag.

Gabriella Fink

Gabriella Fink ist seit 23 Jahren Kindergärtnerin und Mutter zweier erwachsener Kinder. Sie ist Präsidentin des überparteilichen Komitees «Grundstufe 2 x Nein».

22.11.2012 | 2032 Aufrufe