«Der Gegenvorschlag der Regierung ist eine Mogelpackung»

Fast alles, was die Grundstufe bietet, können die Kinder genauso gut im heutigen Kindergarten erleben. Der Zürcher Kindergarten ist ein eigentliches Erfolgsmodell und braucht einen Vergleich mit andern Vorschuleinrichtungen in keiner Weise zu scheuen.

Brauchen wir wirklich eine teure Strukturreform, die ohne nennenswerten Mehrwert dem Kanton und den Gemeinden jährlich wiederkehrend über 60 Millionen Franken Mehrkosten verursacht? Es ist schon erstaunlich, dass Kinder aus den mit 150 Stellenprozenten dotierten Grundstufenklassen am Ende der Unterstufe keinerlei schulischen Vorsprung aufweisen. Aufgrund dieser ernüchternden Erkenntnis liegt bereits die Forderung auf dem Tische, die Mittelstufe im Sinne des altersdurchmischten Lernens total umzubauen. Diese geplante Anschlussmöglichkeit wird nochmals Dutzende von Millionen Franken verschlingen, sonst ist sie nichts wert.

Wollen wir wirklich unsere Volksschule zu einer Dauerbaustelle machen? Um die Leute nicht allzu heftig vor den Kopf zu stossen, wird jetzt der Umweg über den Gegenvorschlag gemacht. Dieser ist aber eine Mogelpackung, bei der das Volk nichts mehr zu sagen hat. Wird dem Gegenvorschlag zugestimmt, liegt der Entscheid über die Einführung der Grundstufe bei den Schulpflegen und nicht mehr bei den Stimmbürgern. Schon in ein paar Jahren wird im Kanton ein Flickenteppich von unterschiedlichen Modellen vorhanden sein. Es versteht sich von selbst, dass schliesslich die Forderung für ein flächendeckendes Einheitsmodell – sprich Grundstufe – erfüllt werden muss.

Machen wir uns keine Illusionen: Dem Kanton und den meisten Gemeinden stehen in den nächsten Jahren kaum grössere Beiträge für das Bildungswesen zur Verfügung. Allfällige zusätzliche Mittel dürfen nicht für eine Strukturreform eingesetzt werden, die unter dem Strich keinen Mehrwert bringt. Da wäre es viel zweckmässiger, kleinere Klassen zu bilden und so gezielt in die Förderung der Kinder zu investieren. Wir ersparen uns dadurch einen fragwürdigen Umbau der Volksschule und erfüllen wesentliche Anliegen des modernen Unterrichts.

Hanspeter Amstutz, Sekundarlehrer, Fehraltorf 

21.11.2012 | 1618 Aufrufe