Anlässlich des Bundesfeiertages 2012 profiliert sich die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft, die sich ja gerne auch als «Hüterin des Rütli» versteht, mit einer Aktion zu einer «Neufassung» des «heute überholten und <sperrigen> Textes» der Landeshymne.

Aus taktischen Gründen soll die Melodie von Pater Alberich Zwyssig beibehalten werden, die früher von den gleichen Kreisen immer als nicht singbar apostrophiert wurde. In Wahrheit ist es doch ein eklatantes Armutszeugnis und bezeichnend für die Gesinnung vieler unserer Lehrpersonen und Schulbehörden, dass sie es innerhalb eines Zeitraumes von rund einer Generation nicht fertiggebracht haben, unserer Jugend die Schweizer Landeshymne als ein wichtiges Zeichen schweizerischer Kultur und Generationen übergreifender Identität näherzubringen.

Wir erlauben uns eine Frage an die Adresse dieser vermeintlichen Neuerer: Warum haben sich Linke und deren Sympathisanten eigentlich noch nie über den wirklich überholten und sperrigen Text der «Internationale» echauffiert?

Trotz ihrer zweifelhaften Geschichte unter dem Kommunismus – die «Internationale» war von 1922 bis 1943 offizielle Landeshymne der Sowjetunion – wird dieses (Klassen-)Kampflied sogar nach dem Fall der Mauer immer noch lautstark und aus voller Kehle an verschiedenen linken Veranstaltungen abgesungen. Wäre das nicht ein gefundenes Fressen für linksgestrickte Nörgler? Dass diese noch nicht auf die Idee gekommen sind, die «Hymne» gehöre – unabhängig von ihrer Entstehungsgeschichte – alleine des Textes wegen auf den Index gesetzt, erstaunt beinahe.

«… Ein Nichts zu sein tragt es nicht länger, alles zu werden, strömt zuhauf…»

«…In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute, wir sind die stärkste der Partei’n.

Die Müssiggänger schiebt beiseite! Diese Welt muss unser sein;

Unser Blut sei nicht mehr der Raben, Nicht der mächt’gen Geier Frass!

Erst wenn wir sie vertrieben haben, dann scheint die Sonn’ ohn' Unterlass!»

(Deutsche Fassung von Emil Luckhardt aus dem Jahre 1910)

Was für ein Gegensatz zur Schweizer Landeshymne und ihren Urhebern, die in den damaligen Wirren über alle Parteigrenzen hinweg einen Beitrag zum Zusammenhalt des Landes leisteten.

Und noch etwas: Wer hat da etwas von den zu erwartenden Tantiemen für den Verfasser eines neuen Textes für die Landeshymne gesagt? Honni soit qui mal y pense!

Martin W. Dreher,
Wallisellen ZH

14.09.2012 | 1607 Aufrufe