Wie der Berichterstattung der «Solothurner Zeitung» zu entnehmen ist, bringt die integrative Schule mit spezieller Förderung einen entscheidenden Mehrwert. Nach dem «Schulversuch» über mehrere Jahre hinweg ist daher die flächendeckende Umsetzung im ganzen Kanton per Regierungsratsbeschluss beschlossene Sache.

Es wird betont, wie stark der Rückhalt in allen Kreisen in und rund um die Schulen sei. Dass sich die Schulleitungen fast vollständig nur positiv äussern ist naheliegend, schliesslich erwartet man von ihnen Loyalität, speziell in der Umsetzung von Schulreformen. Der Alltag und damit auch der Kern der schulischen Tätigkeit finden hingegen im Klassenzimmer statt. Dort sollten motivierte Lehrpersonen als Klassenlehrer unterrichten und zur Bezugsperson aller Schüler werden. Aber genau dort scheinen mir eher unbefriedigende, ja zum Teil sogar chaotische Zustände zu herrschen.

Zu viele Personen reden mit und in den Unterricht drein im sogenannten Team-Teaching, völlig besessen vom Gedanken der speziellen Förderung, erfinderisch in der Definition von lernschwachen und verhaltensauffälligen Kindern. Schliesslich geht es darum, den eigenen Job zu rechtfertigen. Damit einher geht ein Berg von administrativem Aufwand.

Noch mehr Spezialisten sollen es werden, denn man beklagt in diesen Kreisen, dass einerseits viel zu wenig Sozial- und HeilpädagogInnen ausgebildet seien und andererseits benötige man noch viel mehr Förderlektionen, um all den Aufgaben gewachsen zu sein. Dies entnehme ich dem Bericht zum Schulversuch, den Äusserungen der beteiligten Gremien und den Gesprächen mit verschiedenen Lehrkräften sowie eigenen Beobachtungen als Vater und Lehrer. Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

Eine Reform ist dann erfolgreich, wenn sie insgesamt langfristig einen erkennbaren Fortschritt bringt. Im vorliegenden Fall sollten die Kinder demzufolge die qualitativen, schulischen Ziele besser erreichen können. Dies ist bis anhin in keiner Art und Weise nachgewiesen, um die flächendeckende Umsetzung zu rechtfertigen. Die Umsetzung ist jedoch sündhaft teuer und die Kosten werden weiter stetig ansteigen. Unbegreiflich ist ausserdem, dass vorläufig aus Kostengründen ausgerechnet auf die Förderlektionen der guten Schüler verzichtet wird. Befremdend ist, dass (maximal) zehn Kleinklassen für «untragbare» Schüler vom Kanton zusätzlich finanziert werden sollen, was dem Gedanken des Wechsels von der separativen zur integrativen Schule völlig widerspricht. Aus all den genannten Gedanken und Gründen muss der im Kanton eingeschlagene Weg nochmals gründlich hinterfragt und diskutiert werden. Das Bildungsniveau wird sonst für teures Geld stagnieren wenn nicht sogar sinken und der Lehrerberuf wird weiter an Attraktivität verlieren. Der Lehrermangel ist nicht auf zu tiefe Löhne zurückzuführen, er ist vielmehr eine direkte Folge der dauernden Reformen, weil dieser eigentlich schöne Beruf nicht mehr das ist, was er einmal war oder sein sollte.

Roberto ContiKantonsrat SVP
Solothurn

23.07.2013 | 4359 Aufrufe