Der Beitrag über Conrad Ferdinand Meyer hat mich besonders gefreut. Für mein Empfinden ist dieser Dichter zugleich Schweizer und Europäer. In seinen Werken beschreibt er einschneidende historische Begebenheiten in den umliegenden Ländern und schafft beim Leser Verständnis für die betreffende Kultur und Mentalität.

Er wendet sich aber immer wieder der Schweiz zu, besonders den Bergen. In seiner Gedichtsammlung stellt er dem Abschnitt «In den Bergen» das Gedicht «Schutzgeister» als Einleitung voran. Darin schildert er auf einer Wanderung ein fiktives Gespräch mit Goethe, der die «schönste Sage» der Schweiz, die Tellensage, erwähnt und auf deren Weitergabe an Schiller hinweist. Diese beiden Dichter, deren Werke zur Weltliteratur gehören und die ihr Verständnis für die Schweiz zum Ausdruck bringen, empfindet Meyer als Schutzgeister, und die aufgehenden Sterne, die Zwillinge, als Bild dafür:


«… Selig war ich mit den beiden / Dämmerung verwob die Weiden / Und ich sah zwei treue Sterne / Über meiner Heimat gehen. / Leben wir mein Volk und dauern / Hinter seinen Felsenmauern / Wenn die Dioskuren / Segnend ihm zu Haupte stehen.»

Andreas Dollfus, Zürich

 

26.10.2017 | 1126 Aufrufe