Der Franzose Marc-André Charguéraud, ein Freund der Schweiz und Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs bemüht sich im Gegensatz zum sog. «Bergier-Bericht» zu zeigen, dass unser Land sich in der schwierigen Zeit von 1939 bis 1945 beachtlich mutig und gut verhalten hat.

Das belegen beispielsweise die Titel folgender, von ihm in der Schweiz herausgegebenen Bücher: «La Suisse présumée coupable» (2001, préface d’Edouard Brunner), «Les conditions de la sur-vie» (2002), «La Suisse lynchée par l’Amérique (2005, préface de Franz Blankart).

Sein jüngstes, sehr lesenswertes Werk trägt den Titel «Cinquante idées reçues sur la Shoah». Es befasst sich mit der «Shoah», der meist unter dem Begriff «Holocaust» bekannten fürchterlichen Vernichtung von Juden in Nazi-Deutschland.

Der Anfang 2012 bei «Editions Labor et Fides» in Genf erschienene erste Band setzt sich in alphabetischer Reihenfolge mit zahlreichen Aspekten dieses Genozids auseinander. Dabei ergibt sich u.a., dass die Schweiz trotz der bedauerlichen teilweisen Abweisung jüdischer Flüchtlinge viel weniger zum Holocaust beigetragen hat als andere Staaten. Abgesehen von der prekären Versorgungslage musste mit der realen Möglichkeit gerechnet werden, dass die Aufnahme zu vieler Flüchtlinge durch unser von den totalitären Regimes Deutschlands und Italiens eingeschlossenes Land von Hitler als Vorwand zum Überfall genutzt worden wäre. Dann hätten nicht nur auf der Flucht befindliche sondern auch bei uns längst heimische jüdische Familien den Todesmarsch in die Vernichtungslager antreten müssen.

Chargéraud wird in einem zweiten Band weitere Belege für die von ihm sorgfältig recherchierten Begleitumstände der Shoah-Ungeheuerlichkeit veröffentlichen.

H.-G. Bandi,
Bern

16.08.2012 | 1410 Aufrufe