Die US-Berichterstattung im Fernsehen SRF

Schweizer Fernsehen, 10vor10, 16. August 2017: Mit zornfunkelnden Au-gen rechnet eine vor Erregung zitternde Moderatorin mit Trump ab – jetzt angeblich ertappt als Verherrlicher rechtsextremer Gewalttäter.

Freitags-Kommentar vom 18. August 2017,
von Ulrich Schlüer, Verlagsleiter «Schweizerzeit»

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Sie, Andrea Vetsch, weiss zu berichten, das entlarvende Geschehen sei von «einem General» ausgegangen, der «für die Sklaverei» gekämpft habe. Von dem stehe an bestimmtem Ort noch heute «ein Denkmal», das es jetzt endlich zu zertrümmern gelte. Auf dass die Figur, die es darstelle, endlich aus der Geschichte getilgt werde.

Informationsvermittlung oder Abrechnung?

Nicht jede Sprecherin einer Nachrichtensendung von Fernsehen SRF muss Expertin in amerikanischer Geschichte sein. Dennoch sei die Frage erlaubt: Verlangt der Zuschauer zu viel, wenn er von solchen, die von SRF-Nachrichtenwarte aus das Weltgeschehen kommentieren, wenigstens ein Minimum an elementarem Wissen, an elementarem Sachverstand erwartet?

An 10vor10-Moderatoren wird solcher Anspruch seitens der TV-Verantwortlichen offensichtlich nicht gestellt. Wer dort Informationen präsentiert und erläutert, der darf richten, austeilen und für die Nachwelt für alle Zeit festlegen, wer und was gut und wer und was abgrundtief schlecht sei. Irgend welches Sachwissen scheint für solche Richterrolle nicht erforderlich.

General Robert E. Lee

Der als «ein General» Bezeichnete, für den in den USA Denkmäler stehen, war Robert E. Lee, Kommandant der Armee der im Amerikanischen Bürgerkrieg unterlegenen Südstaaten. 10vor10 ist bekanntlich jene Nachrichtensendung am Schweizer Monopolsender, die von sich behauptet, Massstäbe bezüglich Berichterstattung zu setzen.

General Robert E. Lee auf einen «Krieger für die Sklaverei» zu reduzieren, das allerdings kann nur, wer von amerikanischer Geschichte auch nicht einen Schimmer, auch nicht die leiseste Ahnung hat. Denn Robert E. Lee wurde – gerade weil seine konsequente Ablehnung der Sklaverei bekannt war – zuerst von den US-Nordstaaten angefragt, ob er das Oberkommando der Nordstaaten-Armee zu übernehmen bereit sei. Er lehnte ab, weil er nicht gegen die eigene engere Heimat Krieg zu führen bereit war.

Wie gesagt: Nicht jede Nachrichtensprecherin muss Expertin in amerikanischer Geschichte sein. Aber wenigstens einmal kurz einen Blick in ein Geschichtsbuch zu werfen, bevor man eine historische Persönlichkeit regelrecht «in die Pfanne haut» – das dürfte man von einer SRF-Moderatorin wohl doch erwarten – selbst wenn das Ziel ihrer unflätigen Angriffe letzten Endes Donald Trump heisst, den endgültig disqualifizieren zu können Fernsehen SRF an diesem 16. August glaubte, weil sich Trump von einer Aussage nicht distanziert, die er selbst auch gar nie gemacht hat.

Von Linken okay – von Konservativen verwerflich

Er hat – nach von Rechtsextremisten ausgehenden Gewalt-Exzessen – «jegliche Gewaltanwendung» verurteilt, von wem sie auch ausgehe. Aberdutzende der Linken zuzuordnende Politiker haben, wenn Anschläge, Vandalenakte, Gewaltexzesse von linker Seite Tatsache geworden sind, wörtlich gleich geantwortet – X-mal auch zu von der Berner Reitschule ausgegangenen Gewalt-Eruptionen. Aber was TV-Journalisten linken Politikern bereitwillig abnehmen – dafür werden konservative, sollten sie sich wörtlich gleich äussern, skrupelloser Diffamierung preisgegeben.

Abrechnungsgelüste

Wir gehören keineswegs zu Trumps kritiklosen Parteigängern. Aber wir erheben Anspruch darauf, von einem Medium, für das hierzulande jeder und jede – ob es geschaut wird oder nicht – eine Steuer zu entrichten hat, mit hinlänglicher Objektivität, ohne jeglichen Abrechnungsgedanken informiert zu werden. Sachgerecht und soweit als irgend möglich wahrheitsgetreu. Hasserfüllte Abrechnungstiraden hätten da keinen Platz. Auch nicht, wenn die Absenderin solcher Tirade glaubt, noch eine für sie peinliche Rechnung mit Trump offen zu haben.

Die Rechnung geht zurück auf die US-Wahlnacht im vergangenen Herbst. Das Schweizer Fernsehen glaubte damals, unter Leitung des als Amerika-Experten gefeierten Herrn Honegger eine Truppe in die USA entsenden zu müssen, die ganz auf den danach zu feiernden Wahlsieg Hillary Clintons ausgerichtet war, was Anlass geboten hätte, den mit dem Bösen schlechthin identifizierten Trump für alle Zeiten im Orkus zu versenken.

Dann aber haben die US-Wähler anders entschieden. Und die ganze SRF-Abrechnungscrew stand mit erbärmlich belämmerter Miene da und glaubte, sich an ein «Noch nicht Entschieden» klammern zu können, als das Wahlergebnis längst absehbar war, längst feststand.

Solches werden die, die sich verrechnet haben, Trump nie vergessen. Sie lechzen nach einer Chance, mit ihm doch noch abzurechnen. Am 16. August 2017 wähnten sie den Tag dafür als gekommen. Entsprechend fiel ihre Berichterstattung aus.

Warnung

Zum Schluss eine Warnung: Der zu Washington residierende Schweizer Botschafter sollte sich davor hüten, jene Andrea Vetsch, die am 16. August allen in ihr aufgestauten Hass über Trump zu ergiessen verstand, je in seine Residenz zu Washington einzuladen. Natürlich: Er könnte davon ausgehen, dass der Dame amerikanische Geschichte so abgrundtief fremd ist, dass sie achtlos an den dort aushängenden Zeugen der Vergangenheit vorbeischauen würde.

Doch es könnte ja sein, dass unter den Eingeladenen auch ein Amerikaner wäre, der die zwei grossartig gelungenen Porträts, welche die Residenz des Schweizer Botschafters in Washington prominent schmücken, mit Sicherheit erkennen würde. Zwei Porträts, für welche die USA der Schweiz schon hohe Kaufsummen angeboten haben – zum Glück bisher erfolglos. Sie zeigen eindrücklich und unmittelbar nebeneinander zwei amerikanische Generäle. Zwei besondere Generäle. Einerseits den Kommandanten der siegreichen Nordstaaten, andererseits den Kommandanten der Armee der unterlegenen Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg. Zwei der wichtigsten Figuren also aus einem tragischen Kapitel amerikanischer Geschichte, das aber untrennbar mit der Geschichte der USA verbunden ist, blicken dort auf die Besucher herunter.

Wüsste Andrea Vetsch um diese Gemälde, sie würde gewiss sofort mit blitzenden Augen zum Bildersturm aufrufen. Denn sie wähnt sich – wenn auch sachlich überhaupt nicht im Bild – im Besitz der allein gültigen Wahrheit, woraus sie sich anmasst, Massstab-Setzerin in Sachen Moral ganz allein und ausschliesslich zu sein.

Solches geschieht nicht zum erstenmal in der Weltgeschichte. Herausgekommen ist es nie gut.

Ulrich Schlüer

Bild: Pixabay.com

18.08.2017 | 2107 Aufrufe