Das Singen einer Landeshymne hat den Sinn, in feierlicher Weise und in der entsprechenden Stimmung sich auf die Werte des eigenen Landes zu besinnen. Das tut der Schweizerpsalm in eindrücklicher Weise, indem er die Musizierenden und die Zuhörer in die Stimmung eines Morgens in den Bergen einführt und das Empfinden für das Gewaltige der Schöpfung anregt. «Betet, freie Schweizer, betet!» lautet der begeisterte Ausruf des Textdichters.

Demgegenüber ist der Beginn des neuen Textentwurfes abstrakt: «Weisses Kreuz auf rotem Grund, unser Zeichen für den Bund.» Er lässt keine entsprechende Stimmung entstehen, auch wenn der Prosainhalt des Satzes stimmt. Er gehört eher in eine politische Diskussion. Auch wenn man nicht praktizierender Protestant oder Katholik ist oder seine Weltanschauung auf streng naturwissenschaftlicher Grundlage entwickelt, kann man doch die Möglichkeit von schöpferischen Kräften in der Natur und in der menschlichen Seele zugeben. Vorbildlich für mich ist in dieser Beziehung ein Ausspruch von Albert Einstein: «In der Wahrnehmung tiefgründiger Vernunft und Schönheit im Universum liegt die wahre Religiosität».

Andreas Dollfus, Zürich

14.10.2017 | 1095 Aufrufe