Wer Statistiken interpretiert, begibt sich auf ein Minenfeld. Dies belegen die Verfasser des Artikels über Kriminalstatistik (NZZ 5. 4. 13), und nicht nur gewollt. Ungewollt demonstrieren sie, wie statis­tisch sauberes Vorgehen und Relevanz in Gegensatz geraten können. Sie filtern z. B. den Kriminaltourismus heraus, weil Schweizer definitionsgemäss keine Kriminaltouristen sein können. Ist also deswegen der Kriminaltourismus ein bloss eingebildetes Problem, Teil des «Stammtischartigen Umgangs mit der Krimi­nalstatistik»?

Wie schwierig ein sauberes Vorgehen durchzuhalten ist, beweist auch die Zahl 1.,1. oben rechts in der beigefügten kleingedruckten Tabelle. Sie bedeutet, dass Asylbewerber pro Kopf 1,1-mal so häufig für Verkehrsdelikte verurteilt werden wie Schweizer. Dabei wird ausseracht gelassen, dass die Verfügbarkeit von Fahrzeugen bei den beiden Gruppen ganz ungleich ist. Derselben kleingedruckten Tabelle ist zu entnehmen, dass Asylbewerber 610 Prozent mehr Delikte gegen Leib und Leben begehen als Schweizer. Für die ausländische Wohnbevölkerung be­trägt die betreffende Zahl immer noch 120 Prozent (mehr). Da Deutsche einen beträchtlichen Teil ausmachen und sogar gesetzestreuer sind als Schweizer, muss die Zahl für den nichtdeutschen Teil um einiges höher liegen. Doch Nationalität sei eine «belanglose juristische Kategorie». Meinen die Verfasser wohl eine «juristisch belanglose Kategorie», oder stellt sich hier politische Korrektheit in die Quere? Die Interpretation von Statistiken ist wirklich ein Problem.

Urs Oswald,
Zürich

07.05.2013 | 1643 Aufrufe