Vor einiger Zeit hatte eine junge Frau aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft Flyers in die Briefkästen gesteckt. Vermutlich im Auftrag des Neutralen Quartiervereins Gundeldingen. Nach einem kurzen Gespräch stellte sich heraus, dass diese junge Frau mit ihrem Mann und ihrer Tochter aus der ehemaligen DDR stammt. Man sei nun schon zwölf Jahre in der Schweiz und warte jetzt auf die Einbürgerung. Und dann faselte die Frau noch etwas von Familienzusammenführung.

Auf meine Frage, warum man denn in den Fernsehfilmen immer Strassen und Häuser zu sehen bekommen würde, die in einem solchen schlechten Zustand wären, hatte sie mir vorgelogen, dass sie sich das auch nicht erklären könne und sie sich immer fragen würde, woher denn die Sendeanstalten diese Bilder hätten. In der ehemaligen DDR sei doch alles schon längstens in bester Ordnung. Vermutlich ist diese Familie gerade deshalb zu uns in die Schweiz gekommen. Am Ende unseres Gespräches hatte sie mir noch den sehr hilfreichen Rat erteilt unter keinen Umständen nach Deutschland zu gehen, um dort einzukaufen, denn in Deutschland sei es nicht billiger. Und als absoluten Höhepunkt unseres tiefschürfenden Gespräches legte sie noch einen Zacken zu und lieferte gleich noch einen SVP-feindlichen Spruch. Diese SVP-Hasserin hatte jedoch keine Ahnung davon gehabt, in welcher Gegenwart sie gerade diese Aussage gemacht hatte.

Solche Leute hat man gern! Auf sie haben wir doch so dringend gewartet. Endlich sind sie jetzt da. Ohne sie wären wir aber wirklich untröstlich. Schlimmer noch: Es würde uns das Herz brechen! Vermutlich ist diese Familie aus der ehemaligen DDR auch noch Mitglied bei einer unserer hochwohllöblichen Linksparteien und/oder beim VPOD oder der UNIA. Man könnte es jedenfalls meinen. Also so abwegig ist dieser Gedanke nun aber auch wieder nicht. Ich werde wohl bei Bundesrätin Sommaruga Asyl beantragen müssen, denn bei 112 (einhundertundzwölf!) Nationen, welche im Gundeli leben, ist dies vonnöten. Wetten, dass sie mein Gesuch besonders dringlich behandelt und ich nicht monatelang auf Bescheid warten muss?

Robert Hänggi,
Basel

30.10.2013 | 1705 Aufrufe