Der aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 7. Dezember 2012.

Solange am Euro stur festgehalten wird
Armut für Europa

Von Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit»

Neue Hiobsbotschaften von der «Arbeitsfront»: In allen EU-Ländern steigt die Arbeitslosigkeit kontinuierlich. Grosse Teile der Jugend werden buchstäblich ihrer Zukunft beraubt.

Die uferlose Überschuldung fast aller EU-Länder fordert – auch wenn Mario Draghi noch so viele neue Euros druckt – unerbittlich ihren Tribut.

Ausweglose Krise im Süden

Die drastischen Massnahmen gegen weitere Verschuldung treiben die Südländer Europas in ausweglose, schwere Rezession. Solange diese Länder an den Euro gefesselt bleiben, ist ihnen Wiederaufschwung versperrt. Verführt von den viel zu billigen Krediten nach der Euro-Einführung, haben sie viel zuviel vom ihnen vermeintlich wie Honig zufliessenden Geld einerseits fahrlässig dem Konsum geopfert. Andererseits haben sie sich damit viel zu teure Sozialapparate geschaffen und zusätzlich auch noch eine viel zu grosse, unproduktive Bürokratie auswuchern lassen.

Seit die Schuldenfalle dieser Ursachen wegen zugeschnappt ist, kann in diesen Euro-Südländern heute gar nicht mehr gewinnbringend produziert werden. Die Wettbewerbstauglichkeit bleibt unerreichbar, weil der Euro für die Südländer zu stark ist. Was dazu führt, dass von den wenigen im Markt bislang leidlich erfolgreichen Firmen zunehmend viele aus den Euro-Südländern abwandern – in Länder, wo gewinnbringendes Wirtschaften wenigstens noch möglich ist.

Solange diese Südländer, weil an den Euro gefesselt, nicht abwerten können, verschlimmert sich ihre Lage von Tag zu Tag – ausweglos! Ausweglos vor allem für die Jugend. In Griechenland sind inzwischen 57 Prozent der unter 25-jährigen arbeitslos, in Spanien 56 Prozent. Auswanderung ist deren einzige Perspektive.

Der Euro stösst die dieser Währung nicht gewachsenen Euro-Südländer unerbittlich in die Armut – in eine Armut, wie sie Europa nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gekannt hat.

Krisenverschärfende Zinsmanipulation

Aber auch den scheinbar besser dastehenden Euro-Ländern des Nordens droht Armut – und diese wird Auswirkungen haben auch auf die Schweiz.

Damit die den ganzen Euro-Karren schleppenden, überall zum Schuldenlöcher-Stopfen herbeigerufenen Euro-Nordländer ihre überbordende Schuldenlast überhaupt noch tragen können, haben sie – alle Marktgesetze ausser Kraft setzend – mit politischer Macht Niedrigstzinsen für ganz Europa durchgesetzt. Das schont zweifellos ihre Staatskassen.

Aber die mit politischer Machtanstrengung vermeintlich ausser Kraft gesetzten Marktkräfte beginnen sich bereits zu rächen. Erstens bei jenen Institutionen – allen voran bei den Pensionskassen –, deren Geschäftserfolg auf Gedeih und Verderb von Marktzinsen abhängig ist. Die politisch erzwungenen Tiefstzinsen betrügen diese Institutionen wohl für längere Zeit um ihre Erträge.

Die Kunden dieser Institutionen – Halter von Lebensversicherungs-Policen, Pensions-Berechtigte – werden dafür einen hohen Tribut zahlen müssen. Einzelne Gesellschaften könnten – ohne eigenes Verschulden, vielmehr von den Euro-Despoten buchstäblich in den Konkurs getrieben – zusammenbrechen. Andere werden ihre Leistungen zu Lasten der Rentenberechtigten drastisch kürzen müssen, nur damit sie überleben.

Investitionen abgewürgt

Kommt dazu, dass die politisch durchgesetzte «Zinsnullung» jetzt, wo eine ganz Europa bedrohende Wirtschaftskrise abgewendet werden müsste, die Investitionstätigkeit in Europa gefährlich beeinträchtigt, in einzelnen EU-Ländern gar weitgehend zum Erliegen bringt. Wer investiert schon in Europa, wenn die Pleite-Manager die Verzinsung getätigter Investitionen unterbinden?

Auch die Menschen in Nordeuropa werden die Euro-Politik des Brüsseler Pleitier-Kartells mit Armut büssen müssen.

Aber stur wie sie sind, halten die Eurokraten an ihrem Prestige-Projekt Euro fest – wohl bis zum bitteren Ende.

Ulrich Schlüer

07.12.2012 | 4729 Aufrufe