Als «einer der verhängnisvollsten Irrtümer des 20. Jahrhunderts» hat Robert Nef, Stiftungsratspräsident des Liberalen Instituts, die staatlich erzwungene Altersvorsorge auf Basis des Umlageverfahrens bezeichnet. Das offensichtlichste Problem der AHV: Sie ist ein lupenreines Schneeballsystem.

 

von Olivier Kessler

 

Schneeballsysteme funktionieren nur so lange, wie neue Teilnehmer gefunden werden – Teilnehmer, die genügend hohe Beiträge einzahlen, damit die den bisherigen Teilnehmern gegenüber abgegebenen Versprechen erfüllt werden können. Deshalb sind solche Pyramidensysteme in der Regel verboten. Dem AHV-Schneeballsystem hingegen kann man sich nicht entziehen. Die staatliche Peitsche zwingt den Hintersten und Letzten, sich am Wahnsinn zu beteiligen trotz drohendem finanziellem Kollaps.

 

Die Krux: Diejenigen Generationen, die ihr Leben lang gezwungen wurden, AHV-Beiträge einzuzahlen, wollen nun natürlich ihrerseits in den Genuss einer entsprechenden Rente kommen. Andererseits ist dies aber nur möglich, wenn die junge, arbeitende Bevölkerung auch in Zukunft gezwungen wird, ihrerseits laufend höhere Beiträge in die immer marodere AHV einzuzahlen.

 

2015 war es so weit: Die AHV gibt mehr Geld aus, als sie einnimmt. Bereits seit 1998 können die Löcher in der AHV-Kasse nur mit Taschenspielertricks wie etwa dem erhobenen «Demografieprozent» der Mehrwertsteuer gestopft werden. Jetzt aber brechen alle Dämme. Die Berechnungen des Bundesamts für Sozialversicherungen sind haarsträubend und zeigen, wohin die Reise geht: Entweder AHV-Kollaps oder massive Steuererhöhung – beides macht unseren Lebensstandard zunichte.

 

Wer hat nun recht? Die ältere Generation, die auf ihr Anrecht auf AHV-Auszahlungen pocht? Oder die junge Generation, die ihr hart verdientes Geld nicht in ein Schneeballsystem einzahlen will, von welchem man wahrscheinlich nie mehr auch nur einen Rappen zurückerhält? Beide.

 

Um aus diesem Schlamassel wieder rauszukommen, taugen die aktuell in der Politik diskutierten Lösungen nichts. Eine mühsame, längerfristig angelegte Reform hin zu einem Kapitaldeckungsverfahren ist unvermeidlich. Dann erhielte wieder jeder seinen gerechten Anteil, den er sich im Laufe des Lebens angespart hat. Für die finanzielle Absicherung im Alter sorgen dann fortan grössere individuelle Ersparnisse (dank tieferen Steuern und Abgaben), private Versicherungen, die Familie und notfalls auch Hilfswerke. Damit dies gelingt, müssen alle mitanpacken, um die 180-Grad-Wende am Ende der Sackgasse hinzubekommen – Jung wie auch Alt.