Haben die Urheber der Initiative «6 Wochen Ferien für alle» jemals daran gedacht, was ihre Forderung für Kleinfirmen mit wenigen Angestellten bedeutet? Wenn ich in meiner Schreinerei den Mitarbeitern sechs statt vier Wochen Ferien einräumen muss, stellt dies eine Lohnerhöhung um vier Prozent dar. Es wird ja heute als selbstverständlich erachtet, dass soziale «Verbesserungen» wie Arbeitszeitverkürzungen zum bisherigen Lohn erfolgen sollen. 

Grössere Betriebe können Arbeitsplätze in ein Land mit niedrigeren Kosten und weniger Ferienwochen auslagern – mir selber ist dieser unwürdige Ausweg versperrt. Es kommen sogar noch weitere Nachteile hinzu: der umgekehrte Einkaufstourismus. Unser Kanton Solothurn liegt bekanntlich in nächster Nachbarschaft zu zwei Ländern, deren Gewerbetreibende aufgrund der geltenden Personenfreizügigkeit und deren niedrigeren Löhne und Sozialabgaben sowie den nicht zu langen Anfahrtswegen bei uns als starke Konkurrenz auftreten.

Wenn dann noch der abgeschwächte Euro für zusätzliche Verzerrungen sorgt, wird meine Lage immer bedrohlicher. Darunter leiden meine Schreiner-Kollegen ebenso wie die meisten Schweizer-Handwerker und Detaillisten aus allen anderen Sparten. Darum, tragen wir Sorge, dass aus mehr Urlaubswochen nicht eine zusätzliche Arbeitslosigkeit mit Stellenabbau resultiert. Darum Nein zu 6 Ferienwochen für alle!

Walter Gurtner, Holzwurm,
Däniken SO

 

27.01.2012 | 1577 Aufrufe