Zugegeben, vermehrte Lohnexzesse der letzten Jahre haben wohl die meisten von uns zutiefst verärgert. Aber was ärgert uns eigentlich an hohen Löhnen? Neid ist es nicht. Die wenigsten stört es, wenn grossartige Leistung grossartig belohnt wird. Mich stört es, wenn sich Führungskräfte, trotz schwacher Leistung, unverschämt selbst bedienen – und dieses Bauchgefühl ist legitim. Doch dieses Problem wird durch die Minder-Initiative weitgehend gelöst. In naher Zukunft werden vermehrt die Eigentümer der Firmen darüber entscheiden, wer in der Führungsetage gute Leistung erbracht hat und somit eine entsprechende Entlöhnung verdient. Und das ist richtig so.

Was soll nun die 1:12 Initiative? Das Lohnverhältnis von 1:12 wird wohl in 99 Prozent der Schweizer KMU eingehalten, weil dieses Verhältnis in etwa den KMU-Verhältnissen gerecht wird. Die Schweiz hat aber auch etliche internationale Konzerne. In Grosskonzernen mit tausenden von Mitarbeitern kann es eben sein, dass eine ausgesprochen talentierte Führungskraft auch einmal mehr verdient. Wenn jemand eine eindeutig gute Leistung bringt, dann sollte es uns egal sein, wer wie viel verdient.

Die Schweiz ist ein Erfolgsmodell. Insbesondere der liberale und flexible Arbeitsmarkt hat zu sehr tiefer Arbeitslosigkeit und erstklassigen Arbeitsbedingungen geführt. Löhne und Arbeitsbedingungen sollten deshalb weitgehend zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ausgehandelt werden. Wer anderer Meinung ist, soll sich doch bitte einmal die überregulierten und schlecht funktionierenden Arbeitsmärkte unserer Nachbarländer anschauen. Diese leiden sicher nicht an zu wenig Regulierung!

Ich weiss, leider gibt es immer noch Exzesse in der Finanzindustrie. Trotzdem dürfen wir nicht wegen eines Missstandes, der durch die Minder-Initiative anders gelöst werden wird, eine unsinnige Lohnregulierung, die uns allen schaden wird, einführen. Das Problem der unverschämten Selbstbereicherung Einzelner wird mit der 1:12-Initiative sicher nicht gelöst, sondern nur ausgelagert – zum Schaden von uns allen. Ich stimme deshalb klar Nein zur Juso-Initiative.

Nils LeuzingerAlt Kantonsrat FDP
Pfäffikon SZ

13.09.2013 | 2251 Aufrufe