Ich stehe in der Mitte meines neunten Lebensjahrzehnts und wundere mich immer wieder, zu was für Un- und Blödsinn ich an der Urne Stellung nehmen muss. Und möglichst alles soll in die Verfassung, wo fast alles nicht hingehört.

Diesem Übel könnte rasch abgeholfen werden wenn zum Beispiel die Initianten die gesamten Kosten selber tragen müssten. Ich sage auf gar keinen Fall die jungen Leute in der Juso seien dumm. Im Gegenteil: Da hat es blitzgescheite Leute.

Wo es aber arg hapert, ist in der fehlenden Lebenserfahrung und im Überblicken der gesamten Auswirkungen flächendeckender Initiativen wie derjenigen von 1:12. Sie waren ja noch nirgends die Juso-Mitglieder, als die grossen weltgefährdenden Blöcke wie die Sowjetunion und der europäische Osten nach Jahrzehnte langen Bemühungen kläglich Schiffbruch erlitten, weil Menschen sich nicht zentral steuern lassen. Was die Juso jetzt wieder versucht, ist die Einführung eines der Planwirtschaft ähnlichen Lohnmodells, welches aus einem fehlgesteuerten Drang nach Macht, Gerechtigkeit, Diktat, und Neid basiert. Das Motto: «Denen wollen wir es zeigen!»

Handhabung und Ziele der Initiative sind teilweise nebulös und unausgereift. In Diskussionen ist herauszuhören, dass die wenigsten der Kerngruppe Angehörenden schon je richtige Arbeit geleistet haben. Zudem können sie über das das Ausmass der Kontrollfunktionen eines solchen Gesetzes keine Rechenschaft ablegen. Eines der heimlichen Ziele dürfte es sein, einen schweizweit für Genossen lukrativen Beamtenapparat aufzubauen – mit den üblichen sich an der Obergrenze bewegenden Beamtenlöhnen.

Die 1:12- Initiative ist nicht zu vergleichen mit der kürzlich erfolgreich abgeschlossenen Abzocker-Initiative. Da galt es mit dem Zaunpfahl einigen ganz wenigen Unternehmungen zu winken und sie zur Vernunft zu ermahnen. Das mit Erfolg. 1:12 jedoch wäre gesetzlich flächendeckend zu verankern. Unser Wirtschaftssystem basiert immer noch auf Vertrauen, Gesprächen und Konsens. Die Geschichte lehrt uns, dass wo der Staat mit dem Holzhammer eingreift, grassieren bald Bequemlichkeit und eine gewisse Leistungsgenügsamkeit. Die Schweiz ist ein nicht unerhebliches Erfolgsmodell weil Erfolg noch honoriert wird. Wie heisst das Sprichwort? «Dem Ochsen der da drischt, soll man das Maul nicht verbinden.» Und in diesem System sollen es immer noch die leitenden Organe, der Besitzer, die Aktionäre, das Management sein, welche verantwortungsbewusst Lohnansätze festlegen.

Am Horizont zeichnet sich bereits auch eine noch hanebüchenere Initiative ab. Das Grundsalär für alle!! Jede und Jeder soll in diesem Land, ob gearbeitet wird oder nicht, einen Monatslohn von 2500 Franken erhalten. Ich frage mich allen: Wer kommt auf solche Ideen? Und woher kommt die Kraft? Die Folge ist absehbar: Halb Afrika wird dann an unseren Grenzen stehen und Einlass verlangen! Ich gebe der bescheidenen Hoffnung Ausdruck dannzumal auf einer andern Ebene zu wirken.

Hans Stettler, 
Wangen bei Olten

30.10.2013 | 1698 Aufrufe