Nr. 17, 21. Juli 2000

Wie lange sehen die Behörden noch zu?
Bezirksanwalt auf «Frischfleisch»-Suche

Von Alexander Segert, Zürich

Der homosexuelle Bezirksanwalt Adrian Ramsauer macht wieder von sich reden. Diesmal ist ein Verfahren wegen des Verdachts auf Sex mit Kindern gegen ihn eingeleitet worden. Im Internet suchte Ramsauer nach Knaben ab 16 Jahren als Sexualpartner. Das ist keine Alltäg- lichkeit. Der Vorfall bewog auch die Grünen, für die Ramsauer im Winterthurer Gemeinderat sitzt, dazu, auf Distanz zu gehen. Ramsauer hat sich seit seiner Einvernahme im Februar krankschreiben lassen, da er nach eigenen Angaben unter den schweren Vorwürfen nicht mehr arbeitsfähig sei.

Bereits vor vier Jahren lud Adrian Ramsauer im Zusammenhang mit der Passugger-Werbekampagne («Die Quelle der Wahrheit») Kritik auf sich. Ramsauers Beitrag zu dieser Werbekampagne: «Ich will meinen Freund heiraten dürfen» führte damals zu massiven Protesten, zumal der grüne Winterthurer Gemeinderat und Homosexuelle unter der auf dem Plakat angegebenen 155er-Nummer ausführlich für die Anerkennung homosexueller Paare warb und die Telefonnummer einschlägiger Verbände weitergab. Die aktuelle Untersuchung gegen Ramsauer ist eingeleitet worden, weil der Verdacht besteht, dass er auch Kontakt mit Sexualpartnern unter 16 Jahren hatte. Ramsauer hat in Kontaktanzeigen im Internet «männliche Personen ab 16 bis 30 Jahren gesucht». Laut Staatsanwaltschaft verträgt sich dies nicht mit dem Amt eines Bezirksanwalts, dem unter anderem der Verantwortungsbereich Jugendschutz anvertraut ist.

Die Erkenntnis der Strafuntersuchungsbehörden kommt allerdings reichlich spät. Bereits im Oktober 1994 hatte Ramsauer in der schweizerischen Homosexuellenzeitschrift «ak» («Andersume/Kontiki») auf einer ganzen Seite das Buch «Die Lust am Kind - Portrait des Pädophilen» des Bremer Soziologen Rüdiger Lautmann angepriesen. Unter Fachleuten gilt Lautmanns Werk als «sexualwissenschaftlich drapierte Werbung für die Anerkennung der Unzucht mit Kindern». Nach eigenen Aussagen will Laut- mann herausgefunden haben, dass viele Pädophile ganz ernsthaft Kinder lieben, dass diese Liebe oft gegenseitig sei und dass es oft die Kinder seien, welche die sexuell Aktiven sind. Eine perfide Argu- mentation, die das Vorgehen der Pädophilen entschuldigt und den Minderjährigen Opfern die Schuld für die Taten der Pädophilen zuschiebt. An anderer Stelle schreibt Lautmann: «Der Pädophile muss über ein feines Sensorium verfügen, um Signale der Ablehnung bei Vierjährigen (sic!) zu bemerken.»

Raumsauer, der Lautmann im Wissen um seine Aussagen als einen «wohltuend differenzierten Fels» bezeichnet, vertritt die Auffassung, dass Lautmann den Pädophilen einen «durchwegs verantwortungs- bewussten Umgang mit der Autonomie des Kindes» bescheinige, weshalb seiner Meinung nach «mindestens das Schutzalter zu senken sowie pornographische Darstellungen von Kindern als Trickfilm oder computeranimierte Grafik zuzulassen» sei. Lautmanns Persilschein für die Unzucht mit Kindern wird von Ramsauer dankend aufgenommen. Zur Rechtfertigung seiner Suche im Internet nach 16- jährigen - in Pädophilenkreisen zynisch «Frischfleisch» genannt - gibt der 41jährige Ramsauer vor, es gehe ihm nicht um Sex gegen Bezahlung, statt dessen träume er von einer Beziehung mit einem jungen Partner...

Entlarvt werden diese verharmlosende Phrasen jedoch von Fachleuten, die sich schon seit vielen Jahren an die Fersen der Pädophilen-Mafia in Europa gehängt haben (vgl. etwa «Bürger und Christ» 6/98). Die beiden deutschen Fachleute Adolf Gallwitz, Professor an der Hochschule für Polizei, Psychotherapeut, Polizeipsychologe und Leiter der Forschungsstelle «Sexuelle Gewalt», sowie sein Kollege Manfred Paulus, Kriminalhauptkommissar und Leiter des Deliktbereichs «Sexualstraftaten» bei der Kriminal- polizei, zeigen in ihrem Buch «Grünkram», einer Recherche über Kinderpornographie, auf, dass Pädo- phile ihre Opfer vor allem mit harmlosen Kontaktanzeigen über das Internet suchen und sich bei der Rechtfertigung ihres Handelns auf pseudowissenschaftliche Argumentationen wie diejenige von Laut- mann berufen. Ebenso machen Gallwitz und Paulus in ihrem Buch unmissverständlich klar, dass jeder sexuelle Kontakt von Erwachsenen mit Kindern auf einem Gewaltverhältnis beruht.

Gefahr für den Jugendschutz
Angesichts dieser Fakten mutet es befremdlich an, dass die Zürcher Justizdirektion einen Antrag auf fristlose Kündigung Ramsauers abgelehnt hat. Wie lange darf von Adrian Ramsauer als Vertreter der Justizdirektion noch Gefahr für den Kinder- und Jugendschutz ausgehen? Man stelle sich nur vor, Ramsauer hätte die Anklage im Fall des bekennenden Pädophilen Beat Meier und dessen Frau verrtre- ten, die vor wenigen Tagen in Zürich vor Gericht stand. Ob Beat Meier, der zusammen mit seinen Freunden monatelang die kleinen Kinder der Frau missbraucht hatte, und seine Ehefrau für ihre schänd- lichen Taten in diesem Fall verurteilt worden wären, ist fraglich, haben doch Pädophile gemäss der Ideologie von Lautmann und Ramsauer einen «verantwortungsbewussten Umgang» mit Kindern.

Alexander Segert