4. Juni 1999

Vor 75 Jahren starb Lenin, der Erbauer des Totalitarismus
Lenin - Kommunist und Tyrann
Von Ernst E. Borer, Zürich

Lenin, der russische Revolutionär und Initiant der Errichtung des totalitären 
Staates auf der Grundlage der kommunistischen Ideologie, ging vor 75 Jah-
ren von dieser Welt. Lenins Ableben verdient deshalb in Erinnerung gerufen 
zu werden, hat sich dieser doch etwa sieben Jahre in der Schweiz aufgeha-
lten und hier völlig unbehelligt die Revolution in Russland vorbereitet.


Vor allem in Zürich war Lenins Wirkungs- und Studienstätte, auf den Konferenzen von 
Kiental und Zimmerwald konstituierte sich unter seiner Führung jener radikale Flügel 
der internationalen Arbeiterbewegung, aus dem die kommunistischen Parteien und 
die Kommunistische Internationale (Komintern) hervorgegangen sind. Im April 1917 
benannte er definitiv den Zusammenschluss «Kommunistische Partei», die sich im 
Gegensatz zur Sozialdemokratie das «Kommunistische Manifest» von Marx und 
Engels zu eigen machte. Übrigens: Lenins Klarname war Wladimir Iljitsch Uljanow. 
Seinen Parteinamen «Lenin» legte er sich im Jahre 1901 zu.

Schöpfer des «neuen Menschen»

Der marxistisch-leninistische Perspektivplan enthielt nicht nur materielle Verheis-
sungen. Für Lenin war der Hauptträger des kommunistischen Systems der «neue 
Mensch». Als Merkmale schrieb er diesem besondere Eigenschaften zu: Er leistet 
gewissenhafte Arbeit zum Wohl der Gesellschaft, er ist geprägt von Gerechtigkeits-
gefühl, Wahrheitsliebe und Schlichtheit. Daher gehe die Kriminalität kontinuierlich 
zurück, da in der kommunistischen Gesellschaft dank allseitiger Bedürfnisbefriedi-
gung das Verbrechen restlos beseitigt werde. Da es der Führung nicht gelang - nicht 
einmal in ihren eigenen Zirkeln -, die Eigenschaften des «neuen Menschen» wirklich 
zu vermitteln, bildete sich an dessen Stelle der sozialistische Realismus, d.h. die 
Anwendung von Gewalt, personifiziert durch Geheimpolizei, Folterknechte und Hen-
kergarden.
«Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die 
Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu 
gewinnen.» So steht es im «Kommunistischen Manifest». Altgenossen und solche, 
die ihre Naivität bis heute nicht losgeworden sind, beharren auf der Behauptung, 
Stalin und nicht der als Humanist gepriesene Lenin hätte der Gewaltanwendung das 
Wort geredet und Massaker angeordnet. Diese Zwecklüge widerlegen die Grund-
sätze und Anweisungen Lenins und dessen Befehlsempfänger, wie es deutlicher 
nicht mehr geht. Abgesehen davon, dass auch wir jüngst mit der Geschichtsmanipu-
lation vertraut gemacht wurden, die in etwa dem Raster kommunistischer Propagan-
disten gleicht, muss dieser Zwecklüge in bezug auf die Lenin-Biographie - angerei-
chert durch neue Erkenntnisse - Rechnung getragen werden.
Am 20. Dezember 1917 wies Lenin, der sich selbst zum Barbaren erklärt hatte, den 
Genossen Felix Dserschinski an, eine ausserordentliche Kommission zur Bekäm-
pfung der Gegenrevolution und der Spekulation zu organisieren. Unter dem Namen 
«Tscheka» wurde diese Geheimpolizei des Sowjets sogleich zum Symbol eines 
Terrorsystems, wie es die Welt noch nie zuvor erlebt hatte. Dserschinski war wohl 
der Grossinquisitor, aber Lenin übernahm die volle Verantwortung für den Terror. Die 
Droge «Terror» machte den «Leitstern der Weltrevolution» dermassen süchtig, dass 
sich in der Öffentlichkeit Widerstand erhob und auf Lenin mindestens zwei Attentate
verübt wurden, die jedoch fehlschlugen.
Lenin verlangte nicht nur die Todesstrafe für seine politischen Gegner - die Mensche-
wiki (Minderheitspartei) und die Sozialrevolutionäre -, denen er seit Anbeginn mit 
Hass begegnete. Sie galt auch für Diebe und Strolche: «Es hat in der Geschichte 
keine einzige Revolution gegeben, wo die Menschen nicht eine gesunde Festigkeit 
im sofortigen Erschiessen von Dieben bewiesen hätten Eine Diktatur ist eine eiserne 
Macht, die revolutionäre Kühnheit mit Schnelligkeit des Handelns verbindet und die 
ebenso unerbittlich im Ausrotten von Ausbeutern wie von Strolchen ist.»
Dieselbe Strafe drohte auch denen, die man beim Verteilen oder Ankleben von re-
gierungsfeindlichen Flugblättern ertappte.

Zuchtmeister

Der amerikanische Bolschewismus-Experte Richard Pipes legte 1995 in seinem 
Buch «Drei Fragen der russischen Revolution» Dokumente vor, die Lenin als skrupel-
losen Diktator ausweisen. Aus Insiderberichten wusste man dies seit Jahrzehnten, 
die geöffneten Archive liefern nun aber die handfesten Beweise. In den Jahren 1921/
22 z. B. wurde die UdSSR von einer katastrophalen Hungersnot heimgesucht. 
Anstelle eines Hilfsangebotes seitens der USA, das Lenin brüsk ablehnte, ordnete er 
in einem Brief an Molotow Massnahmen an, die an Brutalität nichts zu wünschen 
übriglassen:
«Es ist jetzt und nur jetzt, da in den Hungergebieten das Volk Menschenfleisch isst 
und Hunderte, wenn nicht Tausende von Leichen die Strassen verdrecken, der Zeit-
punkt gekommen, dass wir die Konfiszierung von kirchlichen Wertgegenständen bru-
tal und erbarmungslos durchführen können (und deshalb auch müssen). Je mehr Ver-
treter der reaktionären Geistlichkeit und Bourgeoisie wir dabei hinrichten können, 
desto besser.»
Die Hungerleidenden waren jedoch nicht allen Funktionären gleichgültig. An einer 
Sitzung des Sownarkoms nahm Alexei Rijkow das Wort und erklärte: «Kraft unseres 
revolutionären Pathos sind wir Gott sei Dank in der Lage, unsere Arbeiter und Bauern 
daran zu gewöhnen, auch ohne Brot zu arbeiten. Aber leider gelang es uns nicht, auch 
unsere Pferde daran zu gewöhnen. Man mag die Pferde als konterrevolutionär verur-
teilen, aber man kann diese Tatsache nicht leugnen, und ich fürchte, ihr werdet ihnen 
Hafer geben müssen.»
Daraufhin befahl Lenin, den Bauern Brot und Hafer zu liefern. Die Arbeiter blieben 
davon ausgeschlossen.

Erfinder der Konzentrationslager

Eine breite Öffentlichkeit glaubt noch immer, Hitler hätte als erster Konzentrationsla-
ger eingerichtet. Dieser Irrglaube wird widerlegt durch den Befehl Lenins, den er am 
9. August 1918 zur Ausführung weiterleitete: «Es ist notwendig, eine besondere 
Truppe von ausgesuchten, zuverlässigen Männern zu organisieren. Diese müssen 
einen unbarmherzigen Massenterror gegen Kulaken, Geistliche und Weissgardisten 
durchführen. Alle verdächtigen Personen sind in einem Konzentrationslager ausser-
halb der Stadt festzusetzen. Die Strafexpedition sollte sofort ausgesandt werden. 
Drahtet über die Ausführung dieses Befehls. Präsident des Sownarkoms, LENIN.»
Wenn noch heute alle Schuld für den grausamen Terror dem einstigen Bankräuber 
und späteren Generalsekretär der KPdSU, Jossif Stalin, überantwortet wird, ge-
schieht dies aus dem alleinigen Grund, den Mythos des guten Vaters und Menschen-
freunds Lenin nicht der Unglaubwürdigkeit anheimfallen zu lassen. Noch ist die Zahl 
von Sozialisten und Kommunisten zu gross, um mit der Wahrheit den Mythos Lenin 
der Auflösung preiszugeben. Einbalsamiert liegt er noch immer als Ikone im Mauso-
leum in Moskau und wartet - hoffentlich vergeblich - auf eine Inkarnation!

Ernst E. Borer

**Zurück zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe Nr.12 vom 4. Juni 1999**