Nr. 8, 24. März 2000

Von der Nähe der SP zu totalitären Diktatoren
Sozialdemokratie und linker Faschismus
Von Peter Müller, Zürich

Im vergangenen Jahrhundert gab es nicht nur braune, sondern auch rote Diktaturen. Kommu- nistische Herrscher wie Honecker und Ceausescu haben menschenverachtende Regime ange- führt. Im roten Holocaust Stalins, Maos und Pol Pots sind Dutzende von Millionen Menschen verfolgt und hingerichtet worden. Zu den Verantwortlichen für den roten Holocaust hatte die SP zu keinem Zeitpunkt auch nur die geringsten Berührungsängste.

Im 20. Jahrhundert haben vor allem zwei politische Systeme tiefrote Blutspuren hinterlassen: der Nationalsozialismus/Faschismus und der Kommunismus bzw. real existierende Sozialismus. Beide Systeme glichen sich in wesentlichen Punkten wie ein Ei dem andern: Sie waren totalitär, zentra- listisch-diktatorisch, grossmachtsüchtig, undemokratisch, verlogen, versklavend, und sie bewirkten verheerendes materielles Elend und menschliches Leid. Zu Feinden dieser kollektivistischen Erlö- sungslehren wurden ganze Rassen oder bestimmte Menschengruppen gestempelt. Der Rassenwahn des Nationalsozialismus hat Dutzenden von Millionen Menschen das Leben gekostet. Den roten Tyrannen gelang es, die Zahl der Opfer des Nationalsozialismus sogar noch zu überbieten. Sie konnten ihr verbrecherisches Wirken allerdings über eine weit grössere Zeitspanne hinweg ausüben, noch während Jahrzehnten, nachdem die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten längst beendet war. Erstaunlich jedoch: Während über den Nazi-Holocaust immer wieder und ohne Unterlass berichtet wird, blendet das linke Medienkartell die tiefrote Blutspur des linken Holocaust fast völlig aus, als hätte sie nie existiert. Weshalb?

Die linken Holocaustleugner
Viele führende Linke, ob Politiker, Künstler, Medienschaffende etc., haben noch vor wenigen Jahren eifrig ihr Loblied auf die Errungenschaften von Kommunismus und real existierendem Sozialismus gesungen, gleichzeitig aber eine veritable Hetze gegen alles veranstaltet, was am Kommunismus Kritik übte. Beispiele:

- Im September 1989, wenige Wochen vor dem Fall der Mauer, gratulierte die SPS dem DDR-Schergen Erich Honecker hochoffiziell zum 40. Jahrestag der DDR.

- Zwei Monate später, im November 1989, versicherte der damalige SP-Präsident Helmut Hubacher dem rumänischen Tyrannen Ceausescu die «volle Solidarität der SPS» und übermittelte ihm «brüderliche Grüsse».

- Der damalige SP-Vizepräsident und heutige EU-Turbo Nationalrat Peter Vollmer pilgerte am 18. April 1986 als Vertreter der SP Schweiz an den elften Parteitag der SED nach Ostberlin und zeigte sich «beeindruckt von der Rede des Genossen Erich Honecker» und vom Beitrag der DDR «für eine menschengerechte Welt und Gesellschaft».

- Schon am 1. Juli 1982 waren Vollmer und Hubacher mit Honecker zu einem, wie in Ostberliner Zeitungen nachgelesen werden kann, «freundschaftlichen Meinungsaustausch» zusammengetroffen.

- Zu den zahlreichen Ostreisen Hubachers gehörte auch ein Freundschaftsbesuch bei der bulgarischen Kommunistischen Partei vom August 1985.

- Der selbstverliebte Vordenker des Ringier-Konzerns und Hetzer des «Sonntags-Blick», Frank August Meyer, war, um ein weiteres von vielen Beispielen anzuführen, Mao-Anhimmler und sah in den von ihm herausgegebenen «Notizen aus China» am Massenmord des chinesischen Kommunismus verklärt vorbei.

Es ist offensichtlich: Leute mit einer solchen Vergangenheit haben kein Interesse daran, dass die Blutspur roter Diktatoren je aufgearbeitet und diskutiert wird - und damit auch die eigene Geschichte. Das linke Medienkartell schweigt sich folglich über den roten Holocaust und die Handlangerdienste ihrer Gesinnungsgenossen völlig aus - ein Leugnertrick besonderer Art. Und dass Linke ihre Medien Macht- positionen ganz generell zu täglicher Informationsmanipulation ausnützen (in Wort, Ton und Bild), ist ein anderes Kapitel.

Hat sich die SP je entschuldigt? Nein, die Exponenten der SP Schweiz haben für das Beklatschen menschenverachtender sozialistischer Diktatoren nie um Verzeihung gebeten, auch nicht dafür, dass sie die mörderischen Schreckensherrschaften wiederholt moralisch unterstützt haben. Die Schweiz bekommt heute die Folgen der sozialistischen Verbrecherstaaten, insbesondere die von ihnen bewirkte unglaubliche Massenverelendung, ganz direkt zu spüren. Haben sich verantwortliche Exponenten der SPS je bereit erklärt, für diesen Schaden wenigstens marginal aufzukommen, einen bescheidenen Beitrag an die Wiedergutmachung zu leisten? Haben sie - beispielsweise - je daran gedacht, mit Mitteln begüterter Personen aus ihrem Umfeld eine Stiftung für die Opfer des roten Holocaust zu errichten? Selbstverständlich nicht. Wenn schon bezahlt werden muss, dann sollen doch andere zahlen, vorzugs- weise aber jene, die schon längst und immer wieder auf die verbrecherischen Umtriebe des real existierenden Sozialismus hingewiesen haben und deshalb von den Linken als «Sozialisten- und Kommunistenfresser» verschrieen worden sind. Ist das Sozi-Solidarität?

Nichts gelernt
Erschreckend ist, dass die SP aus den gemachten Fehlern bis heute keine Lehren gezogen hat. Vor einiger Zeit haben Exponenten der SP Schweiz rote Massenmörder noch herzlich umarmt und ihnen die volle Solidarität ihrer Partei bekundet. Heute wird die Aussenministerin eines benachbarten Staates, welche einer demokratisch legitimierten Regierung angehört, boykottiert, und es wird ihr der Gruss verweigert. Dies unter anderem deshalb, weil die sozialistisch beherrschte, undemokratische und zentralistische EU das Ausscheiden ihrer Gesinnungsgenossen aus der österreichischen Regierung nicht hinnehmen will. Der Drang zu diktatorischem, undemokratischem Gehabe besteht also nach wie vor. Und weil die Sehnsucht der Sozialdemokraten nach sozialistischen Machtstrukturen - mögen sie noch so verwerflich sein - unstillbar ist, wird die bekannte Kommunistin Sahra Wagenknecht, Anbeterin der kriminellen DDR-Regierung und erklärte Stalinistin, als 1.-Mai-Rednerin nach Zürich geladen - eine Frau, die bei jeder Gelegenheit den Untergang der DDR-Herrschaft und des Sowjetkommunismus bedauert. Die für die 1.-Mai-Feier in der Limmatstadt verantwortlichen Sozialdemokraten und Gewerk- schafter sind offenbar der Meinung, Sahra Wagenknecht habe uns Schweizern etwas zu sagen. Die SP beweist damit auf erschreckende Weise, dass sie den überholt geglaubten verbrecherischen Erlö- sungslehren weit nähersteht als jede andere grosse Partei der Schweiz. Die SP hat aus der Geschichte nichts gelernt.

Peter Müller, Zürich