Nr. 6, 1. März 2002

Vier Stationen aus der Karriere von Ueli Haldimann
So wird man TV-Chefredaktor
Von Nationalrat Ulrich Schlüer, Flaach ZH

Wenige Tage, nachdem sich Peter Schellenberg seines Chefredaktors fürs Fernsehen DRS, Filippo Leutenegger, entledigt hatte, war der Nachfolger bereits ernannt: Ueli Haldimann. Ein Journalist mit schillernder Vergangenheit.

Vier Stationen aus der Karriere von Ueli Haldimann seien kurz in Erinnerung gerufen. Zusammen mit Jürg Frischknecht und zwei weiteren Autoren geriet Ueli Haldimann Ende der siebziger Jahre in die Schlagzeilen als Mitautor des Buches «Die unheimlichen Patrioten». Ein Buch, das über tausend Schweizerinnen und Schweizer, die sich für ihr Land einsetzten, diffamierend zu «Unheimlichen» stempelte. Das Material zu diesem Buch stammte, zumindest teilweise, aus einem Einbruch in Büro- räumlichkeiten von Ernst Cincera. Ein bis vor Bundesgericht weitergezogener Fall stellte das Buch noch Jahre nach seinem Erscheinen ins Zwielicht.

Diffamierung
Offensichtlich in seinem Element fühlte sich Ueli Haldimann, als die sogenannte Holocaust-Krise zwischen der Schweiz einerseits, jüdischen Organisationen in den USA und der US-Regierung Clinton andererseits ihrem Höhepunkt entgegentrieb. Zum Jahreswechsel 1996/97 wurde erstmals deutlich, in welch massivem Ausmass der Schweiz Forderungen präsentiert werden könnten. Der damalige Bundesrat Delamuraz bezeichnete diese Forderungen in einem Ausbruch sichtlicher Erregung öffentlich als «Erpressung».

In der «SonntagsZeitung», deren Chefredaktor Ueli Haldimann damals war, erschien am 12. Januar 1997 ein Artikel, in welchem die «SonntagsZeitung» als Reaktion auf Delamuraz¹ ungefilterten Zornesaus- bruch angeblichen «Auftrieb für Antisemiten» registrieren zu können glaubte. Der Artikel selbst war einigermassen sachlich. Hingegen löste die Tatsache, dass unmittelbar unter der Überschrift «Auftrieb für Antisemiten» das Bild des «Schweizerzeit»-Chefredaktors eingerückt wurde, eine Strafklage wegen Ehrverletzung aus. In der Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, dass Titel und Bild von der Chefre- daktion ohne Wissen der Artikel-Autoren zwecks «süffiger Ausschmückung» eingesetzt worden waren. Dafür hatte Chefredaktor Ueli Haldimann die Verantwortung zu übernehmen. Durch Vermittlung des Richters kam ein Vergleich zustande, in welchem sich die «Sonntags Zeitung» in aller Form zu ent- schuldigen, die von ihr gewählte Darstellung zu berichtigen und zu bedauern, sämtliche Kosten zu übernehmen und dem «Schweizerzeit»-Chefredaktor erst noch eine erkleckliche Genugtuungssumme zu entrichten hatte.

Fall Jagmetti
Wenige Tage später, am 26. Januar 1997 publizierte die «SonntagsZeitung», verantwortet von Ueli Haldimann, jenen vertraulichen «Jagmetti-Bericht» ­ einen manipulativ gekürzten internen Bericht des damaligen Schweizer Botschafters in Washington, Carlo Jagmetti, an seinen Chef in Bern, Bundesrat und Aussenminister Flavio Cotti. Die «SonntagsZeitung» etikettierte diesen Report in grossen Lettern als «Beleidigung von Juden». Chefredaktor Ueli Haldimann forderte in einem Kommentar die sofortige Abberufung von Botschafter Carlo Jagmetti, dessen «Bunkermentalität» für die Schweiz untragbar sei. Jagmetti musste seinen Posten tatsächlich räumen, und die Schweiz geriet in eine äusserst schwierige Lage.

Textvergleiche zwischen dem vom Bundesrat kurz darauf in vollem Umfang veröffentlichten Bericht Jagmetti und der von der «SonntagsZeitung» abgedruckten gekürzten Fassung liessen klar erkennen: Die Kürzung war eine entstellende Manipulation, abgedruckt nicht zuletzt mit dem Ziel, einen auflage- steigernden, der Schweiz indessen immensen Schaden bereitenden Skandal zu lancieren. Dies ist der «SonntagsZeitung» damals ­ wie man sich gut erinnert ­ auch vollauf gelungen. Die Schweiz trägt noch heute an diesem Schaden.

Zitat-Fälschung
Im August 1997 landete Ueli Haldimann seinen letzten Streich als Chefredaktor der «Sonntags-Zei- tung». Sein Blatt liess einen Artikel erscheinen, in welchem Nationalrat Christoph Blocher folgende Aussage unterstellt wurde: «Holocaust-Opfer gibt es nicht mehr ­ die sind ja tot.» Mit der Veröffentli- chung dieses Zitats löste Haldimann damals einen gewaltigen Wirbel und einen Schwall schwerster Vorwürfe an die Adresse Christoph Blochers aus.

Indessen wurde Christoph Blocher zum Zeitpunkt, da er diese Aussage gemäss Behauptung der «SonntagsZeitung» gemacht haben soll, gleichzeitig von einem Kamerateam von «10 vor 10» gefilmt. Die genaue Analyse der Filmaufnahme ergab: Das in der «SonntagsZeitung» abgedruckte Zitat Blocher war eindeutig gefälscht worden ­ ganz offensichtlich mit tendenziöser Absicht.

Als Chefredaktor Ueli Haldimann darob zur Rede gestellt wurde, verteidigte er die Darstellung der «SonntagsZeitung» noch: Es entspreche, behauptete Haldimann, durchaus «journalistischer Gepflo- genheit», eine Original-Aussage eines Politikers zuweilen auch so zu bearbeiten, dass damit «eine Kernaussage herausgearbeitet» werden könne ­ auch wenn die behauptete, als angeblich wörtliches Zitat zwischen Anführungszeichen gesetzte Aussage gar nie gemacht wurde. Mit dieser eindeutigen Manipulation war das Mass voll: Haldimann musste seinen Posten als Chefredaktor der «Sonntags Zeitung» umgehend räumen.

Heute TV-Chefredaktor
Seit dem Abgang Leuteneggers sitzt Ueli Haldimann jetzt also im Sessel des TV-Chefredaktors. Die «Rückkehr zur Linientreue» dürfte bei TV DRS damit gewährleistet sein.

Ulrich Schlüer