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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 7. Januar 2000

Hetzkampagne der NZZ
Einst ein Weltblatt

Mancher soll sich geschmeichelt fühlen, wenn ihm die renommierte NZZ einmal eine ganze Seite widmet. Eine «Ehre», die kurz vor Jahresende der «Schweizerzeit» zuteil wurde. Mit einem «Abrechnungs-Artikel», an dem eigentlich nur seine Liederlichkeit erstaunt.

Der Artikel - Verfasser ist ein gewisser «hof» - orientiert sich an einem 1990 in einem Zürcher Verlag erschienenen Buch. Darin beschrieb ein vom zuständigen Bundesamt angestellter Flüchtlingsbefrager seine Erlebnisse. In deutlicher Sprache verurteilt er vielfach erlebte Versuche von Asylbegehrenden, sich mittels gezielt erfundener, oft kopierter Vorzeige-Verfolgungsbiographie Asyl in der Schweiz zu erschleichen. Das Buch erregte Aufsehen. Es lag - was die NZZ verschweigt - damals in allen Buch- handlungen auf. In fast allen Zeitungen - auch in der NZZ - erschienen Rezensionen. Mehrere Blätter brachten längere Auszüge. Sein Autor, Jürgen Graf, wurde zu Vorträgen geladen, nicht zuletzt von FDP- Sektionen. Darüber schreibt die NZZ freilich nichts.

Weil sie der «Schweizerzeit» - die in einer Grossauflage ein Interview mit dem Autor brachte - eine Drahtzieher-Rolle unterschieben will, um sie damit umgehend - allerdings ohne auch nur das leiseste konkrete Indiz dafür anführen zu können - in den Dunstkreis eines damaligen «Frontenfrühlings»(!) gewalttätiger oder zumindest gewaltbereiter Exponenten der rechtsextremen Szene zu stellen. Die strikt an demokratischen Spielregeln orientierte «Schweizerzeit»-Argumentation wird dabei von der NZZ ebenso wenig erwähnt wie die Tatsache, dass die Asyl-Anerkennungsquote damals zumeist deutlich unter fünf Prozent lag - womit der grassierende Asylmissbrauch auch amtlich belegt wäre.

Die NZZ verfolgt andere Absichten: Denn der Autor besagten Buches kam später mit Auschwitz- Leugnern in Kontakt und verbreitete deren Theorien. Dass die «Schweizerzeit», frühzeitig auf diese Entwicklung aufmerksam geworden, nie mehr auch nur eine Zeile dieses Autors veröffentlichte, hindert den «hof»-Journalisten der NZZ nicht daran, der «Schweizerzeit» eine Art Bahnbrecherrolle für den Holocaust-Leugner unterzuschieben.

NZZ-Indizien: Die «Schweizerzeit» habe einmal Kritik an einem «Rassismusbericht» geübt. Und sie habe Aufsätze eines Zürcher Historikers (der übrigens mehrfach Gastkorrespondent der NZZ war, die sogar Bücher von ihm verlegt hat) abgedruckt, in denen Kritik am «Asylantismus» laut und verschiedene mit der «multikulturellen Gesellschaft» verbundene Erwartungen ins Reich der Illusionen versetzt wurden. Dass die «Schweizerzeit», derart mit brauner Jauche beschmiert, von der NZZ nie direkt über solch herbeigeredete Zusammenhänge befragt wurde, rundet die Stilart dieser NZZ-Recherche nur ab. Wahrhaftig: Tief seid Ihr gesunken, Ihr Schreiber von der Falkenstrasse, die Ihr Euer einstiges, damals auf besondere Qualitätsansprüche pochendes Weltblatt zu einem blindlings auf SVP, AUNS und «Schweizerzeit» schiessenden Kampagnenorgan degradiert habt. 

Ulrich Schlüer

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