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Eines der wichtigsten Werke zur Politik der Schweiz im Zweiten Weltkrieg ist dank einer kommentierten Neuauflage wieder erhältlich geworden.
Alice Meyer, die Gattin von Professor Karl Meyer – eine der leuchtendsten Figuren des schweizerischen Widertands gegen den Nationalsozialismus – veröffentlichte ihr wohlfundiertes Werk über die Schweiz zur Zeit des deutschen Nationalsozialismus vor nunmehr 45 Jahren. Damals war es ihr noch möglich, mit wichtigen Exponenten und Zeitzeugen der schweizerischen Politik vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg ausführliche persönliche Gespräche zu führen.
Ihr aus diesen Gesprächen entstandenes Buch kann gleichsam als Chronik schweizerischer Neutralitätspolitik vor und während des Zweiten Weltkriegs gesehen werden. Alice Meyer schildert plastisch, wie die Frage, ob die Schweiz sich dem übermächtig scheinenden Nationalsozialismus des Deutschen Reiches anpassen oder ob sie dem braunen Totalitarismus gegenüber unbeirrt Widerstand leisten solle, eine tiefgreifende Auseinandersetzung in der Schweiz ausgelöst hat. Die Kräfte des Widerstands, das zeigt Alice Meyer überzeugend, waren stärker, setzten sich durch – obwohl die Bedrohung, die vom waffenstarrenden Deutschland und seiner arroganten, menschenverachtenden Führung ausging, für unser Land mehr als nur spürbar war. Während in Westeuropa die Mutlosigkeit die Oberhand gewann, bestärkten sich wachsende Bevölkerungskreise in der Schweiz gegenseitig im Widerstandswillen gegenüber der braunen Flut. Die Entschlossenheit der Schweiz, der Schweizerinnen und Schweizer, die Identität ihres Landes gegen eine klare Übermacht von Kanonen und Panzern zu bewahren und zu verteidigen, obsiegte gegenüber Mutlosigkeit und Anpassungsbereitschaft.
Wer sich an die Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts erinnert, weiss: Das Buch von Alice Meyer hat schon damals grosses Echo in Medien und Bevölkerung gefunden. Dass jetzt eine Neuauflage vorgelegt wird, ist verdienstvoll. Das Buch ist als Chronik schweizerischer Neutralitätspolitik in schwieriger Zeit nach wie vor von einzigartigem Gehalt. Es ist sowohl jenen, die den Zweiten Weltkrieg persönlich erlebt haben, aber auch den späteren Generationen als Lektüre wärmstens empfohlen.
Alice Meyer: «Anpassung oder Widerstand – Die Schweiz zur Zeit des deutschen Nationalsozialismus». Huber, Frauenfeld 2010 (1965), 255 Seiten, geb., Fr 39.90.
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