Die
heuchlerische Empörung
Es haben sich in diesen Wochen sexuelle Übergriffe
männlicher Jugendlicher an minderjährigen Mädchen gehäuft
- und jetzt empört sich männiglich über diese Vorkommnisse.
Gerade so, als ob nicht in den letzten Jahrzehnten bewusst alle Hemmungen und alle Leitplanken des sexuellen Geschehens in unserer Gesellschaft unter dem Druck der Neuen Linken beseitigt worden wären. Und wir jetzt wieder einmal die Früchte der "sexuellen Revolution" ernten würden.
Mit Hilfe einer ideologischen Mixtur aus Rousseau, Marx, Freud, Sartre und Marcuse wurden die jahrhundertlang bewährten Institutionen der Ehe, der verbindlichen Treue-Gelöbnisse, der Regeln über voreheliche und aussereheliche Enthaltsamkeit ausgehebelt, das Konkubinats-Verbot lächerlich gemacht und aufgehoben, der sexuelle Dauerkick via Mode, Sex-Kommerz, Illustrierte, TV und neuerdings Handy und Internet institutionalisiert.
Jegliches Schamgefühl bei den Jugendlichen wurde und wird durch Sexualunterricht, Anti-Aids-Propaganda des Bundesamtes für Gesundheit und die Freizügigkeit in Worten und Taten der Erwachsenen (Zerfall der Familien, Promiskuität, Exhibitionismus) unterminiert und der Inhalt des sechsten Gebotes Gottes tunlichst verschwiegen.
Schon immer haben junge
Männer mit ihrem Sextrieb kämpfen müssen; niemals haben ihn
alle und jederzeit unter Kontrolle halten können. Aber solange der Begriff
der Sünde, die klare Zuordnung des sexuellen Lebens in die Institution
der Ehe noch Gültigkeit hatten, waren die Voraussetzungen für ein
respektvolles Zusammenleben der Geschlechter eindeutig besser als heute. Wo
bleiben übrigens die Vertreter der Landeskirchen bei den überall
stattfindenden Gesprächsrunden? Spielen die religiösen Dimensionen
keine Rolle mehr in der Erziehung der Jugendlichen? Sind die Fundamente unserer
christlich-abendländischen Kultur in den letzten fünfzig Jahren
schon so unterminiert worden, dass das Gebäude zusammenzubrechen droht?
Eine Besinnung auf die Grundwerte tut bitter not.
Valentin J.Oehen, a.Nationalrat,
Köniz BE