Offroader
und Vernunft
Ist es vernünftig einen Offroader zu fahren? Zugegeben, meistens
wohl nicht.
Doch jeder sollte sich, bevor er selbstgerecht über das Handeln seiner Mitmenschen urteilt, die Frage stellen, ob sein eigenes Handeln stets vernünftig ist.
Ist es vernünftig, eine Motorradtour über drei Alpenpässe zu unternehmen, oder in den Urlaub zu fliegen, obwohl zu Hause die Sonne scheint? Wohl kaum. Oder ist es vernünftig, ein unnötig grosses Eigenheim zu bewohnen, oder im Winter sein Schlafzimmerfenster offen zu lassen? Eher nicht. Wie vernünftig ist es, seine Wohnung mehr als zwanzig Grad Celsius zu heizen und abends noch ein feinstaubendes Cheminéefeuer zu entfachen? Nicht sehr vernünftig. Ist es vernünftig, sich in den Bergen eine beheizte Zweitwohnung zu gönnen, oder seine Kinder zur Schule zu fahren? Sehr fraglich. Beispiele für unser unvernünftiges Handeln gibt es zu Tausenden.
Doch wieso stürzen sich die Grünen nicht auf die wirklich grossen Umweltprobleme, sondern haben sich Offroader und Sportwagen ausgesucht, die im absoluten Vergleich zu allen übrigen Verkehrsmitteln erwiesenermassen einen marginalen Teil der Umweltbelastung ausmachen? Ganz einfach, teure Offroader können sich nur die wenigsten leisten. Eigentlich so genial wie heuchlerisch - man kann mit reinem Gewissen für das Verbot der unvernünftigen Offroader sein, obwohl man eigentlich dem Nachbarn seinen roten Sportwagen nicht gönnt. Natürlich trifft dies nicht auf alle Offroadkritiker zu, aber dieses versteckte Motiv ist für grüne Politiker wohl zu verlockend.
Wer also "unvernünftigerweise" Wochenendfahrten unternimmt, im Winter bei offenem Fenster schläft oder seine Wohnung auch nur ein Grad Celsius überheizt, der sollte zuerst sein Verhalten hinterfragen, bevor er Offroader kritisiert.
Letztendlich geht es darum,
ob wir noch eine liberale Gesellschaft sind oder nicht. Können wir es
noch ertragen, wenn unser Nachbar nicht die gleichen Ziele oder Vorlieben
hat, oder wollen wir ihm ständig vorschreiben, was er zu tun hat? Ich
bin zuversichtlich, dass es den meisten Leuten, wenn sie sich über diesen
Punkt klar werden, besser in einer liberalen Gemeinschaft als in einer totalitären
Spiessbürgergesellschaft gefällt.
Nils Leuzinger, Pfäffikon SZ