Hatz auf die Schweiz!

Wir wissen es und wir erfahren es – von Zeit zu Zeit: Die Hatz auf die Schweiz bzw. deren Steuersystem. Am 20. Mai 2008 meldete der französische «Figaro», dass 843 Hochvermögende, die der «Reichensteuer» ISF auf dem Vermögen unterworfen sind, 2006 das Land verlassen haben, unter Mitnahme von 2,8 Milliarden Euro Kapital. Rückkehrer soll es zweihundert gegeben haben. Interessant dabei sind die «Zielländer» der Steuerflüchtlinge und man könnte, bei dem Geschrei der EU, annehmen, dass die Schweiz das erste Zielland für französische Steuerflüchtlinge ist. Weit gefehlt, denn an erster Stelle mit sechzehn Prozent Anteil steht ein EU-Land, Belgien. Die Schweiz folgt an zweiter Stelle mit fünfzehn Prozent. Dann folgen ein weiterer EU-Staat England mit elf Prozent und schliesslich die USA mit zehn Prozent. Also gehen 85 Prozent aller Fluchtgelder in EU-Länder, die USA oder in unbekannte Länder. Und nicht in die Schweiz! Das sagt viel, sogar sehr viel aus über die Strategie der EU. Man schiesst auf die kleine Schweiz, die sich normalerweise konziliant und entgegenkommend zeigt und wenig auf ihren eigenen Vorteil schaut. Die Frage stellt sich hier: Wissen unsere Minister Merz und Calmy-Rey überhaupt, wie schief die Anklagen der EU bezüglich Steuerwettbewerb in der Landschaft liegen und geben sie der EU auch die richtigen Antworten? Man darf zweifeln!


Hans Georg Lips, Ciry le Noble/Frankreich